Pharmazeutische Zeitung online
Pretomanid

US-Zulassung für neues Tuberkulosemittel

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues Medikament zur Behandlung von Tuberkulose (Tb) zugelassen: Pretomanid ist ein Nitroimidazol-Derivat mit neuem Wirkmechanismus, das der Zulassungsstudie zufolge bei extrem resistenter Tb eine sehr hohe Erfolgsrate hat.
Annette Mende
15.08.2019
Datenschutz bei der PZ

Die Zulassung von Pretomanid ist insofern etwas Besonderes als sie keinem einzelnen Hersteller erteilt wurde, sondern der Non-Profit-Organisation TB Alliance. Diese ist ein Zusammenschluss von Regierungen und privaten Geldgebern, Forschungsinstituten und Pharmaunternehmen, die gemeinsam die Entwicklung und den Zugang zu neuen Tuberkulose-Medikamenten beschleunigen wollen.

Pretomanid ist als Nitroimidazo-Oxazin ein Nitroimidazol-Prodrug. Damit der Arzneistoff seine Wirkung entfalten kann, muss in vivo durch eine Reduktion eine aromatische Nitrogruppe aktiviert werden. Das geschieht mithilfe des Coenzyms F420 des Tuberkulose-Erregers Mycobacterium tuberculosis. Pretomanid war von mehreren Molekülen mit ähnlicher Struktur in präklinischen Studien zwar nicht das wirksamste, aber das mit der besten oralen Bioverfügbarkeit. Informationen zu dem neuen Wirkstoff hat die TB Alliance auf ihrer Website zusammengestellt.

Pretomanid darf nur in Kombination mit Bedaquilin (Sirturo®) und Linezolid (Zyvoxid®) eingesetzt werden bei Patienten mit extrem resistenter Tb (XDR-Tb) oder bei Patienten mit multiresistenter Tb (MDR-Tb), die eine andere Therapie nicht vertragen oder nicht darauf ansprechen. Laut Definition liegt eine MDR-Tb vor, wenn die Erreger resistent gegen die Standard-Tuberkulosemittel Isoniazid und Rifampicin sind, und eine XDR-Tb, wenn sie zusätzlich resistent gegen mindestens zwei Zweitlinien-Medikamente sind. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es im Jahr 2016 weltweit etwa 490.000 neue Fälle von MDR-Tb, von denen schätzungsweise 30.400 XDR-Tb waren.

Zulassungsrelevant war die Nix-TB-Studie, im Rahmen derer in drei Kliniken in Südafrika 109 Patienten mit Pretomanid behandelt wuden. Die Patientencharakteristika und auch die Kombinationspartner von Pretomanid entsprachen denen, für die nun auch die Zulassung erteilt wurde. Nach einer sechsmonatigen Behandlung und einer sechsmonatigen Nachbeobachtungszeit waren 95 von 107 Patienten (89 Prozent) Tb-frei. Damit war die neue Kombitherapie signifikant erfolgreicher als bisherige Regime zur Behandlung von XDR-Tb. Bei zwei Patienten wurde die Therapie auf neun Monate verlängert.

Die FDA hatte den Zulassungsantrag von Pretomanid gemäß dem neu etablierten LPAD-Verfahren (Limited Population Pathway for Antibacterial and Antifungal Drugs) sowie unter Priority- und Orphan-Drug-Status bearbeitet. Zudem erhält die TB Alliance für die erfolgreiche Zulassung des Präparats einen sogenannten Tropical Disease Priority Review Voucher, also einen Gutschein für die Priority-Klassifikation eines weiteren Wirkstoffs, der selbst nicht die Voraussetzungen für diese bevorzugte Bearbeitung durch die Zulassungsbehörde erfüllt.

Die TB Alliance hat auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur die Zulassung für Pretomanid beantragt. Außerdem strebt sie die Aufnahme des Wirkstoffs in die Behandlungsleitlinie der WHO an und hat bei dieser zu diesem Zweck bereits Daten eingereicht.

Mehr von Avoxa