Pharmazeutische Zeitung online
Pretomanid

EU-Zulassung für neuen Wirkstoff bei extrem resistenter Tuberkulose

In Deutschland ist die Tuberkulose zur Seltenheit geworden – in großen Teilen der Welt wird sie durch Resistenzbildung bei den auslösenden Mykobakterien zum immer größeren Problem. Mit Pretomanid, entwickelt von einer Non-Profit-Organisation, kommt nun eine neue Therapieoption für Menschen mit resistenter Tuberkulose auf den Markt.
Daniela Hüttemann
03.08.2020  16:06 Uhr

Pretomanid ist ein neuer Wirkstoff und gehört chemisch zur Substanzklasse der Nitroimidazol-Derivate. Die Entwicklung des Arzneistoffs findet nach 18 Jahren nun ihren krönenden Abschluss: Pretomanid in Tablettenform wurde jetzt von der EU-Kommission zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit  extrem resistenter Tuberkulose (XDR-TB) oder multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB), die die bisherige Therapie nicht vertragen oder nicht darauf ansprechen. Es darf nur in Kombination mit den beiden anderen modernen Tuberkulosemitteln Bedaquilin und Linezolid gegeben werden (BPaL-Regime). Die Medikamente müssen über sechs Monate genommen werden.

Entwickelt wurde Pretomanid von der Non-Profit-Organisation TB Alliance, vertrieben wird das Medikament in Europa vom niederländischen Pharmaunternehmen Mylan. Die TB-Alliance hatte vor genau einem Jahr bereits die entsprechende US-Zulassung erhalten. Bei Pretomanid handelt es sich um ein Prodrug, das unter aeroben Bedingungen innerhalb des Tuberkulose-Erregers von einem bakterieneigenen Enzym aktiviert wird und dann das Bakterium bei der Stärkung seiner Zellwand stört. Die Zellwand wird brüchig, bis sich das Bakterium auflöst. Herrschen hypoxische Bedingungen, wirkt Pretomanid anders. Zwar wird auch hier der Arzneistoff intrazellulär von einem bakterieneigenen Enzym aktiviert, aber diesmal bildet sich dabei Stickstoffmonoxid (NO). Dieses schädigt Enzyme und andere Proteine des Erregers und führt zu dessen Zelltod.

Die Wirksamkeit des BPaL-Regimes wurde in der Nix-TB-Studie mit 109 Patienten an drei Orten in Südafrika gezeigt: Bei 98 Patienten schlug die Dreierkombi gut an. Insgesamt wurde Pretomanid in 19 klinischen Studien mit knapp 1200 Patienten getestet. Häufigste Nebenwirkungen unter BPaL waren periphere Neuropathien, Übelkeit, Blutarmut, Erbrechen, Kopfschmerzen, Dyspepsie, Akne, Appetitlosigkeit, erhöhte Leberwerte, Ausschlag, Juckreiz, Bauch- und Muskelschmerzen.

Mehr von Avoxa