Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Freie Apothekerschaft
-
Urteil gegen Rabattgutscheine von Doc Morris

Erfolg gegen Rabattaktionen von Doc Morris: Das Hamburger Landgericht (LG) hat den EU-Versender wegen einer Rabattgutschein-Aktion zur Unterlassung aufgefordert. Die Freie Apothekerschaft (FA) freut sich über »ein wichtiges Signal«.
AutorKontaktEv Tebroke
Datum 29.06.2026  14:50 Uhr

Das Hamburger Landgericht (LG) hat eine Rabattgutschein-Aktion von Doc Morris für unzulässig erklärt und den Versender zur Unterlassung aufgefordert. Darüber berichtet die Freie Apothekerschaft (FA). Demnach hat ein vom Verein unterstützter Apotheker gegen die Aktion des Versenders mit Rabattgutscheinen geklagt und vom LG mit Urteil vom 23. Juni Recht bekommen (Az. 406 HKO 120/24).

Nach Angaben der FA gab das Gericht der wettbewerbsrechtlichen Klage statt und stellte klar, dass die streitgegenständlichen Gutscheinmodelle gegen die Vorgaben des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) verstoßen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

»Dieses Urteil ist ein wichtiges Signal für einen rechtssicheren und geordneten Wettbewerb im Apothekenmarkt«, erklärt die FA-Vorsitzende Daniela Hänel. »Es bestätigt, dass auch große Marktteilnehmer an die gesetzlichen Spielregeln gebunden sind und wirtschaftliche Anreize bei Verkauf von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln klare Grenzen haben.«

Gegenstand des Verfahrens war demnach eine Werbeaktion von Doc Morris, bei der für die Einlösung von Rezepten zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 10-Euro-Gutscheine über die eigenen Apps angeboten wurden. Diese sollten zunächst mit der gesetzlichen Zuzahlung verrechnet werden. Verbleibende Gutscheinbeträge konnten dann innerhalb derselben Bestellung für den Kauf von Waren des Gesamtsortiments genutzt werden – nur wenige Produkte waren davon ausgenommen einschließlich nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel.

Laut Urteil des LG Hamburg ist ein solches Vorgehen mit § 7 Absatz 1 HWG unvereinbar. Insbesondere greife der Ausnahmetatbestand des § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a HWG nach Auffassung des Gerichts nicht ein, heißt es vonseiten des FA. Damit folge das Gericht konsequent der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH), insbesondere dem Urteil vom 6. November 2025 (Az. I ZR 182/22 – Gutscheinwerbung II).

FA setzt auf konsequente Rechtsdurchsetzung

Die Freie Apothekerschaft wertet die Entscheidung als deutliche Stärkung der inhabergeführten Apotheken vor Ort sowie des geltenden Preis- und Werberechts im Gesundheitswesen. Zugleich unterstreiche das Urteil die Bedeutung einer konsequenten Rechtsdurchsetzung im Interesse der Patientinnen und Patienten sowie eines funktionierenden solidarischen Gesundheitssystems.

Der Verein setzt sich seit Längerem dafür ein, dass auch EU-Versender wie Doc Morris sich an wettbewerbsrechtliche Rahmenbedingungen wie etwa das HWG halten müssen. Erst jüngst hat der FA den GKV-Spitzenverband per Schreiben aufgefordert, gegen die illegale Rx-Boni-Praxis des Versenders vorzugehen.

Bislang reizen die Versender die Praxis solcher Rx-Boni aus. Zwar hatte im November 2025 der BGH eindeutig solche Praktiken vor dem Hintergrund des HWG als wettbewerbsrechtlich unzulässig erklärt. Trotzdem wirbt etwa Doc Morris weiterhin mit immer neuen Boni-Modellen. Der FA hat daraufhin den GKV-Spitzenverband aufgefordert, den Versender endlich zur Einhaltung des Rahmenvertrags über die Arzneimittelversorgung zu verpflichten, und bei Nicht-Einhaltung mit Vertarsstarfen zu belegen. Falls dies nicht fruchte, solle er den Versender ansonsten von dem Vertrag auszuschließen. Für den Doc Morris würde dies letztlich bedeuten, keine Arzneimittel mehr nach Deutschland versenden zu dürfen.

 

Mehr von Avoxa