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Gender-Data-Gap
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Ungleich gut erforscht

Klinische Studien sind das Fundament der Medizin und des sicheren Arzneimitteleinsatzes. Dabei sind Frauen trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahren immer noch unterrepräsentiert. Und auch Frauenkrankheiten sind schlechter erforscht als Krankheiten, unter denen mehrheitlich Männer leiden.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 27.05.2026  10:30 Uhr

Dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, hat sich inzwischen durchgesetzt. Aber Frauen würden in der medizinischen Forschung teilweise noch als »kleine Männer« behandelt. Darauf weist ein Artikel auf dem »Nature«-Nachrichtenportal von 2025 hin. Frauen sind demnach in klinischen Studien noch unterrepräsentiert. Weniger als 30 Prozent der Teilnehmenden an industriegesponserten klinischen Studien der frühen Phase sind Frauen. Zurück geht diese Diskrepanz auf den Thalidomid-Skandal Anfang der 1960er-Jahre, der dazu führte, dass Frauen aus Sicherheitsgründen von frühen klinischen Studien ausgeschlossen wurden. Obwohl inzwischen kein Verbot mehr besteht, werden Frauen immer noch seltener eingeschlossen als Männer. In der Folge fehlen geschlechtsspezifische pharmakokinetische und -dynamische Daten.

Lange Zeit ging die Medizin davon aus, dass Arzneistoffe bei Männern und Frauen gleich wirken. Dabei unterscheiden sich die Geschlechter hinsichtlich Hormonspiegel, Stoffwechsel, Immunsystem und Fettverteilung – alles Faktoren, die sich auch auf Resorption, Verteilung, Abbau und Wirkung von Arzneistoffen auswirken können.

Entsprechend zeigten Studien, dass die überwiegende Mehrheit der häufig verwendeten Wirkstoffe geschlechtsspezifische pharmakokinetische Unterschiede aufweisen, die aber in Dosierungsrichtlinien häufig nicht berücksichtigt würden, heißt es in dem Nature-Artikel. In der Folge erlitten Frauen fast doppelt so häufig unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie Männer (»Biology of Sex Differences« 2020).

Auch die Geschlechterverteilung bei den Forschenden spielt dabei eine Rolle:  So sind Frauen bei der Studienleitung stark unterrepräsentiert. Die Folge: Wenn Frauen keine Studien konzipieren, verfestigt sich der Ausschluss von Frauen.

Weniger Fördermittel für frauenspezifische Krebserkrankungen

Das Ausmaß der Diskrepanz zeigt etwa eine Übersichtsarbeit im Journal »Cancer« für den Bereich Onkologie.

Trotz erheblicher Fortschritte in den vergangenen Jahren blieben Frauen immer noch in klinischen Studien zu bedeutenden Erkrankungen unterrepräsentiert – bei Krebserkrankungen machten sie 41 Prozent der Teilnehmenden aus, während sie 51 Prozent der Krankheitslast tragen.

Zudem erhielten Frauenkrankheiten im Verhältnis zu ihrer Krankheitslast unverhältnismäßig wenig Fördermittel, heißt es in dem Review-Artikel weiter. Trotz der hohen Sterblichkeitsrate zählen gynäkologische Krebserkrankungen – darunter bösartige Tumoren der Eierstöcke, des Gebärmutterhalses und der Gebärmutter – zu den Krebsarten, die vom National Cancer Institute in den USA am wenigsten gefördert würden.

»Konkret erhält die Prostatakrebsforschung pro verlorenem Lebensjahr und 100 neuen Fällen 1.821.000 US-Dollar, während für Eierstockkrebs 97.000 US-Dollar, für Gebärmutterhalskrebs 87.000 US-Dollar und für Gebärmutterkrebs 57.000 US-Dollar bereitgestellt werden«, heißt es in dem Übersichtsartikel.

Insgesamt führen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses – von der Förderung von Forschenden und der Erforschung von Krankheiten über die Aufnahme in klinische Studien bis hin zur Veröffentlichung und Verbreitung von Forschungsergebnissen – zu einer erheblichen Datenlücke bei der Diagnose, Behandlung und Prävention von Krankheiten, von denen weibliche Patienten betroffen sind, dem sogenannten Gender Data Gap, so das Fazit.

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