Pharmazeutische Zeitung online
Kommentar

Über das Versagen der EU in der Pandemie

Aber auch bei den nicht-pharmazeutischen Schutzmaßnahmen gibt die europäische Staatengemeinschaft einfach kein gutes Bild ab. In einigen Ländern gelten Reiseverbote und strenge Lockdown-Maßnahmen wie Ausgangssperren. In Österreich hingegen gehen die Menschen seit Montag wieder shoppen. Und dass sich englische und deutsche Fußballclubs nun in Ungarn treffen müssen, um dort gegeneinander Fußball zu spielen, zeigt eines der ärgsten Probleme der EU-Gemeinschaft: die anhaltende politische Uneinigkeit bei Herausforderungen und Problemen, die eigentlich die gesamte Staatengemeinschaft betreffen. Es ist ja klar, dass lokale Virusausbrüche auch zunächst lokal bekämpft werden müssen. Aber ein Virus kennt keine Landesgrenzen – somit wäre eine schon im Frühjahr vereinbarte europaweit geltende Anti-Corona-Strategie nicht nur für die Vermeidung von weiteren Todesfällen gut gewesen, sondern auch dafür, den EU-Bürgern zu zeigen, welchen Mehrwert gemeinsames Handeln haben kann.

Liebe Leserinnen, liebe Leser – bitte verstehen Sie diese Zeilen nicht falsch. Ich bin kein Anti-Europäer. Ganz im Gegenteil: Ich habe die Bedeutung eines offenen Europas und des damit verbundenen interkulturellen Austausches durch jahrelange Auslandsaufenthalte selbst erfahren dürfen. Aber es ist an der Zeit, dass die EU ihren Bürgern zeigt, dass sie mehr ist als nur das Schengen-Abkommen. Die Coronavirus-Pandemie ist eine große Tragödie – sie ist aber auch eine Chance für eine neue länderübergreifende, konzertierte Krisenpolitik, von der die knapp 450 Millionen Menschen in der EU direkt profitieren.

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