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Beratung Husten

Trocken oder produktiv ist nicht mehr die Frage 

Wie kann der Apotheker leitliniengerecht in Sachen Erkältungshusten und akuter Bronchitis beraten? Die Pharmazeutische Zeitung hat beim federführenden Autor der aktualisierten S2k-Husten-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, Dr. Peter Kardos, nachgefragt.
Elke Wolf
06.02.2020  08:00 Uhr

Im vergangenen Jahr publizierte die Fachgesellschaft der Lungenfachärzte ihre aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten. Zwar sind in erster Linie die Pneumologen die vorrangigen Adressaten dieser Leitlinie. Doch finden sich auch für Apotheker wichtige Informationen für ein kompetentes Beratungsgespräch zu Erkältung und Husten.

So sind die Leitlinienautoren der Ansicht, dass die Unterscheidung zwischen einem produktiven und einem Reizhusten aus therapeutischer Sicht nicht bedeutsam sei. Die bislang obligatorische Nachfrage in einem Beratungsgespräch: »Ist der Husten trocken oder verschleimt?« sei demnach nicht mehr relevant. »Zum einen sind die Grenzen zwischen beiden Kategorien fließend«, erklärt Kardos von der Lungenpraxis Maingau, Rotkreuz-Kliniken in Frankfurt am Main. »Zum anderen haben die meisten Patienten Schwierigkeiten, das Sputum objektiv zu beurteilen.« So werde etwa die Sekretmenge häufig überschätzt. Zudem sei es für den Patienten schwierig, Bronchialsekret von Speichel abzugrenzen. »Und häufig wird Reizhusten als Verschleimung wahrgenommen, obwohl er die Folge einer entzündlichen Hypersensitivität der Hustenrezeptoren ist«, informiert der Pneumologe.

Entscheidend für das therapeutische Vorgehen ist die Dauer des Hustens. Halten die Beschwerden bis zu zwei Wochen an, spricht man von einem akuten Husten; meist handelt es sich dabei um einen klassischen Erkältungshusten, der in den allermeisten Fällen auf einen viralen Infekt der oberen und/oder unteren Atemwege zurückzuführen ist. »Diese Art von Husten ist die Domäne der Selbstmedikation. Bei fehlenden Risikofaktoren verzichten wir hier auf weitreichende Diagnostik. Ohnehin sucht der Patient deshalb gar nicht den Arzt, sondern die Apotheke auf.«

Erkältungsviren können den Atemwegen aber auch deutlich länger als 14 Tage zusetzen: Dauert der Husten länger als drei und bis zu acht Wochen, spricht die Leitlinie von einer subakuten Phase. Alles darüber wird als chronisch bezeichnet. Und dann sei die Abklärung durch den Arzt absolut notwendig, fordert Kardos. Aber auch in der subakuten Phase raten die Leitlinienautoren, was die Diagnostik betrifft, zur Zurückhaltung. 

Was die Therapie anbelangt, könne man Phytotherapeutika, Ambroxol oder Dextromethorphan auch in der subakuten Phase weiter einnehmen. »Diese Präparate haben zwar bei akutem Husten in randomisierten kontrollierten Studien ihre positive Wirkung gezeigt. Aber es gibt keine Evidenz dafür, ob die Präparate auch darüber hinaus bei länger anhaltendem Husten wirken. Man kann aber die günstigen Effekte wohl auch auf den subakuten Husten übertragen.«

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