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Pharmazeutische Beratung

Transidente Menschen

Genitalangleichende OP und Nachsorge

Nach einer ausreichend langen Zeit der Therapie, auch mit gegengeschlechtlichen Hormonen, kann der transidente Mensch mit den genitalangleichenden Operationen beginnen, wenn er oder sie dies will. Dies ist heutzutage nicht mehr erforderlich und ausschließlich Entscheidung des Einzelnen. Niemand muss sich operieren lassen, viele wollen dies aber. Für geschlechtsangleichende Operationen gibt es spezialisierte Zentren vor allem in den größeren Städten. Die »guten« Operateure werden hauptsächlich per Mundpropaganda weiterempfohlen und entwickeln meist eigene, zum Teil unterschiedliche Operationsmethoden (5).

Für die Apotheke wichtig ist die Nachsorge. Grundsätzlich gilt: Eine Operationswunde wird genauso behandelt wie bei anderen Operationen auch. Sie sollte sauber gehalten, bei Bedarf desinfiziert und (wenn nötig und möglich) steril abgedeckt werden.

Transfrauen benötigen für die Nachsorge der neu gebildeten Vagina (»Neovagina«) sogenannte Bougierstäbe, die als Hilfsmittel als Sets mit unterschiedlichen Größen auch über die Apotheke verfügbar sind (Beispiele: Amielle®, Vagiwell®; unter 99.27.03. im Hilfsmittelverzeichnis). Die Patientin führt diese Stäbe mehrmals täglich mit etwas Gleitgel oder Panthenolsalbe in die Neovagina ein, um deren Weite zu erhalten und die Narbenschrumpfung zu vermeiden. Zwischen den Anwendungen wird ein Platzhalter getragen, beispielsweise ein medizinisches Kondom mit einer eingelegten Vlieskompresse.

Die Heilung der Neovagina ist normalerweise nach sechs bis acht Wochen abgeschlossen. Die Narbenreifung dauert bis zu 18 Monate. Die Pflege der abgeheilten Neovagina erfolgt wie die der Cisvagina, auch bei eventuellen Infektionen. Eine Pflege mit Milchsäurepräparaten ist möglich. Bei starkem Ausfluss oder Verdacht auf Pilzinfektion sollte der Patientin ein Arztbesuch empfohlen werden.

Auch für Transmänner gibt es Möglichkeiten der genitalangleichenden Operation. Wer sich nicht für den sogenannten großen Aufbau (realgroßes Penoid aus einem Hautlappen an Unterarm oder Oberschenkel mit eingesetzter Versteifungsmöglichkeit) entscheidet, kann sich – nach Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken und Verschluss der Scheidenöffnung – eine Penis-Hoden-Epithese aus Silikon anfertigen lassen. Hierfür gibt es wenige spezialisierte Anbieter (6). Mit den per Hautkleber fixierten Epithesen ist je nach Ausführung ein Urinieren im Stehen oder Geschlechtsverkehr möglich. Die Pflege erfolgt wie bei allen Silikonprothesen.

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