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Pharmazeutische Beratung

Transidente Menschen

Transidente Menschen kommen häufig mit einer Verordnung über eine Hormontherapie oder eine andere Medikation in die Apotheke oder benötigen spezifische Hilfsmittel. Das Apothekenteam braucht Fachwissen und Empathie, um die Patienten gut betreuen zu können.
Kirsten Anschütz
19.09.2021  08:00 Uhr

Regenbogenflaggen überall und eine gesellschaftliche Diskussion über die Akzeptanz von Menschen anderer Geschlechter und Hautfarben: Ein Teil derer, um die es hier geht, sind transidente Menschen, die oftmals eine Hormontherapie machen und daher als Patienten jeglichen Geschlechts in der Apotheke am HV-Tisch stehen. Für das Apothekenteam ist das oft gar nicht einfach: Wie spricht man einen Menschen an, der weibliche Hormone auf dem Rezept verordnet bekommt, aber eine tiefe männliche Stimme und einen Bartschatten hat? Ist das Frau Huber oder Herr Huber? Hier herrscht oft große Unsicherheit, die nicht zuletzt an zu wenig Wissen und Information über dieses interessante Thema liegt.

Was genau ist eine Transidentität? Eine Betroffene beschreibt es so: »Transidentität ist wie die Händigkeit. Wenn ein Kind anfängt zu malen, dann nimmt es den Stift in die Hand, die sich richtig anfühlt, auch wenn ihm niemand sagt, welche Hand das ist. Das Kind weiß es einfach. Die andere Hand ist die falsche Hand. Genauso ist es mit dem Geschlecht: Man weiß einfach, welche die richtige Geschlechtsidentität ist. Und es fühlt sich falsch an, in der anderen zu leben.« Ein transidenter Mensch wird bei der Geburt wegen seiner körperlichen Geschlechtsmerkmale dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet, erlebt aber im Lauf des Lebens, dass diese Zuordnung nicht passt. Sie fühlt sich falsch an.

Sehen wir nochmals auf die Regenbogenflagge: Sie wird oft mit der queeren oder »LGBTQIA+«-Szene in Verbindung gebracht (Glossar). Wichtig ist, dass sich das »T« für Transidentität auf keine sexuelle Orientierung bezieht, sondern ausschließlich auf die geschlechtliche Identität. Ein transidenter Mensch kann jegliche sexuelle Orientierung haben – ebenso wie jeder andere Mensch auch.

Der immer noch häufig benutzte Begriff »transsexuell«, der sich auch im ICD-Katalog oder im Transsexuellen-Gesetz (Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen) wiederfindet, ist irreführend. Hintergrund ist die Übernahme des Begriffs »transsexual« aus dem Englischen, wo das Wort Sex nicht nur die deutsche Bedeutung Geschlechtsverkehr haben kann, sondern auch einfach Geschlecht bedeutet. »Transsexual« bedeutet also transgeschlechtlich und hat nichts mit der gelebten Sexualität zu tun. Im deutschen Sprachgebrauch ist es daher korrekter, von transident oder transgender zu sprechen.

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