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Transidente Menschen

Langzeitfolgen der Hormonersatztherapie

Bis auf die S3-Leitlinie über Geschlechtsinkongruenz (4) gibt es wenige valide Daten zu den Langzeitfolgen der Hormonersatztherapie bei transidenten Menschen.

Jede Hormontherapie kann sich auf das Herz-Kreislauf-System, die Gefahr von Thrombosen und Embolien und die Knochendichte auswirken, weshalb eine engmaschige Kontrolle erfolgen sollte. Übergewicht und Zigarettenrauchen können zusätzliche Schäden verursachen. Transfrauen haben unter Hormontherapie ein zum Teil deutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko, auch wenn man das allgemeine Krebsrisiko durch den Verzicht auf Ethinylestradiol reduzieren konnte. Grundsätzlich ist aber eine Langzeit-Hormonersatztherapie risikoarm, auch weil sie im physiologischen Bereich erfolgt.

Bei aller Vorsicht vor möglichen Folgen sollte man immer auch die Alternative bedenken, also ein Leben ohne die Hormone. Dies kommt für die überwiegende Zahl der Betroffenen nicht infrage, weshalb sie sich im Zweifelsfall eher für die Weiterführung der Therapie entscheiden, auch wenn dadurch Schäden drohen. Ursache dafür ist die Dysphorie.

Bei vielen transidenten Patienten beginnt der Weg der Angleichung nicht sofort mit der Erkenntnis, im falschen Geschlecht zu leben, sondern mit einem allgemeinen Unbehagen bis hin zu schweren psychischen Problemen. Diese werden oft mit Antidepressiva, Antipsychotika und Anxiolytika behandelt. Erst später stellt sich dann die Transidentität als Grund für die Beschwerden heraus.

Viele Patienten müssen diese Therapien weiterführen. Auch mit Outing und Angleichung verschwinden Dysphorie, Depression und andere Probleme nicht einfach, weil das Leben im anderen Geschlecht gesellschaftlich oft wenig akzeptiert wird. Bei der Einnahme von Psychopharmaka sind die Langzeitfolgen natürlich genauso zu beachten wie bei nicht transidenten Patienten, wobei allgemein die Suizidrate bei diesen Patienten höher liegt als in der Restbevölkerung. Dies erklärt sich ganz klar aus der belastenden Gesamtsituation.

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