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Pharmazeutische Beratung

Transidente Menschen

Pubertätsblocker für Kinder

Ein weiteres Einsatzgebiet der Hormontherapie sind transidente Kinder vor der Pubertät. Es gibt Kinder, die schon sehr früh (im Kindergartenalter) wissen, dass sie im falschen Geschlecht leben. Die Kinder werden oft frühzeitig therapeutisch begleitet und man lässt sie im für sie richtigen Geschlecht aufwachsen, auch wenn sie körperlich dem anderen angehören. Auch junge Kinder können bereits eine starke Dysphorie erleben, wenn sie im falschen Geschlecht leben müssen. Der Leidensdruck kann sehr hoch sein.

Um diesen Kindern die Pubertät im falschen Geschlecht zu ersparen, kann man nach ärztlicher und therapeutischer Abklärung mit Beginn der ersten Pubertätszeichen sogenannte Pubertätsblocker geben. Hier werden GnRH-Analoga wie Leuprorelin (Beispiel: Trenantone®, Enantone®) oder Triptorelin (Beispiel: Decapeptyl®) eingesetzt, um die körpereigene Hormonproduktion und damit auch die Reifung der Keimdrüsen und die körperliche Geschlechtsentwicklung zu unterdrücken. Solange diese Blocker und keine gegengeschlechtliche Hormontherapie gegeben werden, ist der Therapieeffekt reversibel. Das Kind würde nach Absetzen der Spritzen also in die normale Pubertät des Geburtsgeschlechts kommen.

Wenn schon sehr früh klar ist, dass eine Transidentität vorliegt, kann man mit 16 Jahren (in Ausnahmefällen 14) mit der gegengeschlechtlichen Hormontherapie wie bei erwachsenen Patienten beginnen. Die Erfolge der Angleichung sind hier am besten, da der Körper nie die falschen Geschlechtsmerkmale entwickelt hat. Der junge Mensch muss sich aber bewusst sein, dass er keine Fertilität entwickeln wird, da die Keimdrüsen im kindlichen Stadium verbleiben. Leibliche Kinder sind daher beim direkten Übergang von Hormonblockade zur Hormonersatztherapie nicht möglich.

Bei manchen Jugendlichen stoppt beim direkten Übergang auch das Größenwachstum, was gerade bei kleinen Transmännern unerwünscht sein kann. Auf der anderen Seite bewirkt Testosteron bei Transmännern oft auch im Erwachsenenalter noch ein leichtes Größenwachstum, was aber nicht konkret vorhersehbar ist. Über all diese Folgen werden Patient und Eltern vom Arzt aufgeklärt.

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