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Herzinsuffizienz

Telemonitoring kann kardiovaskuläre Mortalität senken

Mithilfe des Telemonitorings lässt sich die kardiovaskuläre Mortalität bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz senken. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) laut eines jetzt veröffentlichten Rapid Reports.
Christina Müller
30.10.2019
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Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ging das IQWiG der Frage nach, ob Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz von einem datengestützten, zeitnahen Management in Zusammenarbeit mit einem ärztlichen telemedizinischen Zentrum profitieren. Beim sogenannten Telemonitoring werden zusätzlich zur Standardversorgung zum Beispiel Herzfrequenz und -rhythmus täglich gemessen und die Werte digital an ein Telemonitoring-Zentrum übermittelt. Dort entscheidet das Fachpersonal innerhalb von 24 Stunden, ob eine Intervention nötig ist.

Das Erheben der Daten kann dabei grundsätzlich auf zwei unterschiedliche Arten ablaufen: Entweder erledigt der Patient dies nach einer entsprechenden Schulung selbst oder ein implantiertes Gerät übernimmt die Aufgabe für ihn. Für diese beiden Strategien hat das IQWiG nach eigenen Angaben jeweils zwei randomisierte kontrollierte Studien (RCT) gefunden und ausgewertet. Die Kontrollgruppen erhielten die Standardversorgung ohne telemedizinische Unterstützung. Die Dauer der Nachbeobachtung lag zwischen 12 und 24 Monaten.

»Unter Einbezug aller Studien ergab sich beim Endpunkt Gesamtmortalität kein Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden eines Telemonitorings«, schreiben die Kölner Forscher im Rapid Report. Kardiovaskuläre Todesfälle – etwa zwei Drittel aller Todesfälle in den Studien – traten jedoch unter einem Telemonitoring insgesamt seltener auf als in den Kontrollgruppen, unabhängig von der Monitoring-Strategie. In puncto kardiovaskuläre Mortalität erkennt das Institut daher einen Anhaltspunkt für einen Nutzen. Das entspricht in der Systematik des IQWiG der schwächsten Wahrscheinlichkeitsstufe.

Bei Patienten, die ihre Daten selbst erhoben hatten, zeigte sich in der Metaanalyse ein Hinweis auf einen Nutzen (mittlere Wahrscheinlichkeit) beim Gesamtüberleben – allerdings nur dann, wenn die Betroffenen nicht gleichzeitig eine depressive Symptomatik aufwiesen. Aus der Betrachtung anderer Endpunkte und Subgruppenmerkmale ergaben sich keine weiteren Anhaltspunkte für einen Nutzen oder Schaden, heißt es. Dem Report zufolge hatte sich das IQWiG unter anderem die Hospitalisierungsrate, Schlaganfälle, therapiebedürftige Herzrhythmusstörungen und thromboembolemische Ereignisse angesehen. Das Verzerrungspotenzial schätzt das Institut für alle vier Studien und alle betrachteten Endpunkte als hoch ein.

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