Pharmazeutische Zeitung online
Telemedizin

Teleclinic verliert Prozess um Apotheken-Anbindung

Warum gab es keinen schriftlichen Vertrag?

Offenbar ging es in der Gerichtsverhandlung auch darum, dass es zwischen beiden Parteien gar keinen schriftlichen Vertrag gab. Wessinger erklärte gegenüber der PZ, dass man im Frühjahr dieses Jahres Vertragsverhandlungen begonnen habe. Weil es in »mehreren essenziellen Punkten« Uneinigkeiten gegeben habe, sei aber kein Vertrag zustande gekommen. Weil man den Mitgliedsapotheken aber weiterhin den Empfang von E-Rezepten ermöglichen wollte, habe man den »vertragslosen Zustand akzeptiert«.

Man habe die Teleclinic mehrfach über die »roten Linien« in der Zusammenarbeit informiert, zu denen unter anderem eine Missachtung des Fremdbesitzverbots und der Arzneimittelpreisbindung zählen. Die Teleclinic arbeite nun aber mit einem Konzern zusammen, der diese Punkte in Frage stellt – die Kündigung könne für das Unternehmen also nicht überraschend gewesen sein, so Wessinger.

Teleclinic geht nicht in die nächste Instanz

Rein theoretisch hätte die Teleclinic nun die Möglichkeit, das Urteil vor dem Oberlandesgericht anzustreiten. Doch Katharina Jünger erklärte gegenüber der PZ, dass ihr Unternehmen nicht in die nächste Instanz gehen werde. Vielmehr konzentriere man sich nun darauf, im eigenen Portal einen Mehrwert für den Patienten zu generieren.

Weiterhin im Raum steht allerdings der Vorwurf, dass der Telemedizin-Anbieter gegen das Zuweisungsverbot verstößt, wenn Rezepte exklusiv an die Versandapotheke »Mache« weitergeleitet werden. Jünger erklärte dazu, dass Kunden nur auf Verlangen die Rezepte zur Selbsteinlösung per Post erhalten. »Da der Versand des täglichen Rezept-Volumens per Post für die Mitarbeiter der Teleclinic kapazitär nur schwer zu stemmen ist, besteht diese Option leider nur reaktiv auf Nachfrage der Patienten. Diese können die telemedizinischen Assistenten von TeleClinic jederzeit kontaktieren und den postalischen Versand veranlassen.« Man wolle allerdings nicht die freie Apothekenwahl in Frage stellen – diese sei im Rechtssystem fest verankert.

Mehr von Avoxa