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Jahresbilanz

Zur Rose rutscht weiter tief in die roten Zahlen

Der Schweizer Pharmahandelskonzern Zur Rose ist im vergangenen Geschäftsjahr weiter in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich steht ein Unternehmensergebnis von minus 135 Millionen Schweizer Franken (etwa 123 Millionen Euro). Im Vorjahr hatte das Minus noch bei etwa 52 Millionen Franken gelegen. Trotzdem plant der Doc Morris-Mutterkonzern mit Blick auf das E-Rezept weiterhin große Umsatzsprünge.
Benjamin Rohrer
18.03.2021  11:15 Uhr

Der Wachstumskurs der Zur Rose-Gruppe aber auch weitere belastende Faktoren sorgten im vergangenen Geschäftsjahr dafür, dass die Doc Morris-Mutter weiterhin tief im Minus steckt. Inklusive der übernommenen Versand- und Diabetes-Geschäfte des deutschen Versandhändlers Apotal, der ebenfalls zugekauften deutschen Versandapotheke Medpex und dem übernommenen Telemedizin-Anbieter Teleclinic kletterte der Umsatz zwar um 14 Prozent auf 1,75 Milliarden Franken.

Belastend wirkten allerdings Umbaumaßnahmen, Sonderkosten für die Einkaufstour des Konzerns sowie Abschreibungen infolge eines Preisrückgangs bei Produkten zur Pandemiebewältigung. Für die Übernahmen und die Investitionen in das künftige E-Rezept-System besorgte sich Zur Rose einerseits frisches Kapital in Form einer Wandelanleihe und einer Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital in der Höhe von 388 Millionen Franken.

Auch das kürzlich gefallene EuGH-Urteil zur Umsatzsteuer von Rx-Boni wirkt sich auf die Bilanz des Versandkonzerns aus. Wie die PZ bereits berichtete, hatte der EuGH in der vergangenen Woche erklärt, dass Doc Morris seine Rx-Rabatte aus dem Jahr 2013 nicht umsatzsteuermindernd berechnen darf. Laut Zur Rose-Bilanz kostet dieses Urteil den Schweizer Konzern 13,7 Millionen Franken.

Hoffnung des Konzern: Einführung des E-Rezepts

Der Konzern setzt weiterhin große Hoffnungen auf die flächendeckende Einführung des E-Rezepts. In der Mitteilung des Konzerns heißt es dazu unter anderem: »Mit über 9 Millionen Kunden im deutschen Markt und mit DocMorris als Deutschlands bekannteste Apothekenmarke hat die Gruppe eine hervorragende Ausgangslage, um Kunden mit ihrem Service- und Versandangebot zu überzeugen und den Umsatz in diesem Bereich nach der Implementierung der benötigten Infrastruktur deutlich zu steigern.«

Derzeit haben die EU-Versender gemeinsam einen Anteil am Rx-Markt von etwa 1 Prozent. In den kommenden drei bis 5 Jahren soll der Online-Anteil der abgewickelten Rx-Verordnungen schon bei 10 Prozent liegen – so zumindest lautet die Prognose des Zur Rose-Konzerns. Die Zur Rose-Gruppe erwarte, schon zu Beginn dieses Zeithorizonts die Umsatzschwelle von 4 Milliarden Franken aus organischem Wachstum zu überschreiten. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Doc Morris-Mutter eine Umsatzsteigerung von rund 20 Prozent (inklusive Medpex und Apotal). Erste E-Rezept-Umsätze würden ab 2022 erwartet. In diesem Jahr soll der Erlös um 20 Prozent zulegen. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rechnet Zur Rose erst 12 bis 18 Monate nach 2021 mit einem operativen Gewinn.

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