Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Kleinzelliges Lungenkarzinom
-
Tarlatamab verlängert das Überleben

Im Juli kamen zwei neue Arzneimittel für Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkarzinom auf den Markt: Neben Lurbinectedin ist es der bispezifische Antikörper Tarlatamab. In Studien konnte dieser das Gesamt- und das progressionsfreie Überleben deutlich verlängern.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 13.08.2026  07:00 Uhr

Wie wirkt ein T-Zell-Engager?

Der Antikörper Tarlatamab zählt zu den bispezifischen T-Zell-Engagern (BiTE®-Molekül). Was bedeutet das?

Tarlatamab bindet zum einen an den Delta-like-Liganden 3 (DLL3), der bei nahezu allen SCLC-Patienten auf der Oberfläche der Tumorzellen zu finden ist. Bei gesunden Zellen wird das Protein nur intrazellulär exprimiert. Zudem bindet der Antikörper an das Transmembranprotein CD3 auf der Oberfläche von T-Zellen und bringt damit die T-Zelle mit der Tumorzelle zusammen.

Die aktivierten T-Zellen kurbeln die Produktion von inflammatorischen Zytokinen sowie die Freisetzung zytotoxischer Proteine an, was dann zur Lyse der Krebszellen führt. Häufig wurden Anti-Drug-Antikörper (ADA) nachgewiesen. Nach bisherigen (begrenzten) Daten haben diese keinen Einfluss auf Pharmakokinetik, Wirksamkeit oder Sicherheit des Medikaments.

Gesamtüberleben deutlich verlängert

Zulassungsrelevant in Europa ist die randomisierte offene Phase-III-Studie DeLLphi-304 (DOI: 10.1056/NEJMoa2502099) mit 509 Patienten mit platinresistentem ES-SCLC. Die Patienten erhielten randomisiert Tarlatamab oder eine Standard-Chemotherapie mit Topotecan, Lurbinectedin oder Amrubicin. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS). Zu den sekundären Endpunkten zählte unter anderem das progressionsfreie Überleben (PFS).

Tarlatamab verlängerte das Gesamtüberleben signifikant gegenüber der Chemotherapie (median 13,6 versus 8,3 Monate). Das progressionsfreie Überleben war median um einen Monat länger (4,2 versus 3,2 Monate); zudem besserten sich die krebsbedingte Dyspnoe und der Husten signifikant stärker. Der Überlebensvorteil war auch bei Patienten mit schlechten prognostischen Faktoren wie einer Platinresistenz oder Hirnmetastasen nachweisbar.

Gemäß einer Post-hoc-Analyse ging das Tumorvolumen im Gehirn bei 56 Prozent der Patienten mit Hirnmetastasen unter Tarlatamab um mehr als 30 Prozent zurück (versus 38 Prozent unter Chemotherapie). 15 Prozent erreichten sogar ein komplettes Ansprechen des ZNS-Befalls (versus 5 Prozent).

Unerwünschte Ereignisse (UAW) von Grad 3 oder höher waren unter Tarlatamab weniger häufig als bei Chemotherapie (54 versus 80 Prozent). Zudem brachen weniger Patienten die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab (5 versus 12 Prozent).

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien mit SCLC-Patienten sind CRS (56,7 Prozent), Appetitlosigkeit (36,4 Prozent) sowie Fieber und Störungen des Geschmackssinns (31 bis 32 Prozent); mit einer Häufigkeit von 30 Prozent und weniger folgen Obstipation, Anämie, Ermüdung, Übelkeit, Asthenie, Neutropenie, Hyponatriämie, Kopfschmerzen und Lymphopenie. Die häufigsten schwerwiegenden UAW sind CRS und Fieber.

Mehr von Avoxa