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Anhaltender Corona-Immunschutz

T-Zellen unter Beobachtung

Die molekularen Eigenschaften von CD8+-T-Zellen, die auf eine SARS-CoV-2-Infektion reagieren, scheinen nicht nur die Schwere des Covid-19-Krankheitsverlaufs zu beeinflussen. Sie könnten auch andeuten, wie lange eine Immunschutz aufrecht erhalten werden kann.
Theo Dingermann
25.01.2021  09:00 Uhr

Bekanntlich attackieren CD8+ -T-Zellen virusinfizierte Wirtszellen, eine wichtige Eigenschaft im Kampf des Immunsystems gegen eine Virusinfektion. Besonders relevant in dem Zusammenhang sind »Gedächtnis-CD8+ T-Zellen«, die bei einer Reinfektion diese bedeutende Abwehrstrategie sehr schnell reaktivieren können.

In einer Arbeit, die aktuell im Journal »Science Immunology« publiziert wurde, berichten Dr. Anthony Kusnadi und Kollegen vom La Jolla Institute for Immunology (LJI) und den Universitäten von Liverpool und Southampton ihre Ergebnisse zu Einzelzell-Transkriptomen von mehr als 80.000 virusreaktiven CD8+-T-Zellen, die sie aus dem Blut von 39 Covid-19-Patienten und zehn Spendern, die mit Sicherheit nie mit dem Virus in Berührung gekommen waren, gewonnen hatten. Von den 39 Patienten hatten 17 einen milderen Verlauf der Krankheit durchgemacht, der keine Einweisung in ein Krankenhaus erfordert hatte. 13 Patienten waren stationär aufgenommen worden und neun mussten auf der Intensivstation behandelt werden.

Zur Überraschung der Forscher zeigte sich, dass Patienten mit einem milderen Covid-19-Verlauf häufiger eine schwächere CD8+ -T-Zell-Antwort aufwiesen als Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf. Die Patienten, die stationär behandelt werden mussten oder deren Krankheit sogar eine Behandlung auf der Intensivstation erforderte, reagierten mit einer deutlich stärkeren CD8+-T-Zell-Antwort. Erwartet hatte man genau die entgegengesetzte Korrelation.

Schwerer Covid-19-Verlauf könnte besser vor Reinfektion schützen

Bei genauerer Betrachtung zeigte sich jedoch, dass die CD8+-T-Zellen, die von den Patienten mit einem leichten Covid-19-Verlauf stammten, molekulare Charakteristika eines Phänomens zeigten, das als »T-Zell-Erschöpfung« bezeichnet wird. Diese Zellen waren während der Virämie so stark stimuliert worden, dass ihnen  zum Schluss die Kraft zum Angriff auf die virusinfizierten Zellen ausging. Das war sicherlich zunächst einmal gut, um es nicht zu einem schweren Krankheitsverlauf kommen zu lassen. Ob dies auf lange Sicht ein Vorteil ist, muss bezweifelt werden. Dagegen scheinen Menschen, die eine schwere Krankheit durchgemacht hatten, wahrscheinlich eine deutlich größere Zahl an T- Gedächtniszellen zu besitzen.

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen mit einem schweren Covid-19-Verlauf möglicherweise mehr spezifische »T-Gedächtniszellen« besitzen und daher besser vor einer Reinfektion geschützt sein könnten als Menschen, die eine eher milde Erkrankung durchgemacht haben.

Für endgültige Schlussfolgerungen ist es sicherlich noch zu früh. Allerdings bietet diese neue Studie wertvolle Einblicke in die Beteiligung von CD8+-T-Zellen an der Abwehr einer SARS-CoV-2-Infektion. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher herausfinden, wie T-Zellen in den am stärksten von SARS-CoV-2 betroffenen Organen wie der Lunge auf das Virus reagieren. Dieser Schritt wird wichtig sein, weil die T-Gedächtniszellen, die für eine langfristige Immunität sorgen, in den infizierbaren Geweben akkumulieren müssen.

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