| Daniela Hüttemann |
| 30.05.2026 11:00 Uhr |
»Eine Frage geht immer«, lautet eine alte Beratungsweisheit. Das gilt auch, um abzuklopfen, ob jemand raucht und eigentlich aufhören will. / © Getty Images/Roman Budnyi
Nikotin zählt zu den am stärksten abhängig machenden Substanzen und Tabakrauch schädigt den Körper auf vielfältige Weise – so weit, so bekannt. Trotzdem raucht etwa ein Fünftel der Erwachsenen in Deutschland. Das Aufhören fällt vielen schwer. Unterstützung gibt es bekanntlich jetzt schon aus und in der Apotheke mit Nikotinersatzpräparaten und einer entsprechenden Beratung.
Letztere soll im Zuge der Apothekenreform zu einer definierten pharmazeutischen Dienstleistung (pDL) werden. Das bedeutet auch, dass Versicherte einen Anspruch darauf bekommen und Krankenkassen und Apothekerverband über die genaue Ausgestaltung und Honorierung dieser Dienstleistung verhandeln werden. Bis zum nächstjährigen Welt-Nichtraucher-Tag sollte alles geregelt sein.
Vorgesehen im ApoVWG-Entwurf ist eine »Beratung in Form einer Kurzintervention zur Prävention tabakassoziierter Erkrankungen«. In der Erläuterung dazu heißt es, es handle sich um eine strukturierte, zeitlich begrenzte Maßnahme, die darauf abzielt, Verhaltensänderungen herbeizuführen.
Um wie viel Zeit es genau geht, steht nicht im Gesetzentwurf. Ausgeführt wird nur eine »kurze, zielgerichtete Gesprächs- oder Beratungssitzung sowie erforderlichenfalls die Information über weiterführende Hilfsprogramme« mit Verweis auf die S3-Leitlinie Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung. Dort wird eine Kurzberatung von Raucherinnen und Rauchern zum Erreichen des Rauchstopps mit Empfehlungsgrad A empfohlen, allerdings bislang nur »in der medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Gesundheitsversorgung« und auch nicht näher definiert.
Ziel soll sein, »das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen des Tabakkonsums zu schärfen, die Motivation zum Aufhören zu stärken und konkrete Schritte zur Veränderung zu fördern, um das Risiko tabakassoziierter Erkrankungen zu reduzieren«.
Tatsächlich gibt es bereits einen »Werkzeugkasten für Apotheker« zu entsprechenden Kurzinterventionen vom Weltapothekerverband FIP. Basis ist das 5A-Modell für diejenigen, die bereit sind, aufzuhören: Ask, Advise, Assess, Assist, Arrange. Und das 5R-Modell für jene, die möglicherweise noch nicht so weit sind: Relevance, Risks, Rewards, Roadblocks, Repetition.
Im 5A-Modell sollen alle Patienten gefragt werden, ob sie Tabak nutzen (Ask). Es folgt ein Ratschlag wie »Als Ihr Apotheker möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Tabakkonsum viele spätere Probleme verursachen kann und der beste Weg, Ihre Gesundheit zu schützen, darin besteht, jetzt damit aufzuhören. Wir sind hier, um Ihnen zu helfen« (Advice). Im dritten Schritt stellt man fest, wie groß die Bereitschaft des Patienten ist (Assess), zum Beispiel durch eine Frage wie »Wären Sie gern Nichtraucher?« oder »Wollen Sie innerhalb der nächsten 30 Tage mit dem Rauchen aufhören?«
Falls nein, wechselt man zur 5R-Strategie, falls doch geht es weiter mit Assist: Der Apotheker macht gemeinsam mit dem Patienten einen Plan nach der STAR-Methode:
Dann wird noch ein Termin für ein Follow-up-Gespräch vereinbart (Arrange), um die Verbindlichkeit zu erhöhen und zu schauen, wie der Betroffen klarkommt oder ob er doch eine intensivere Unterstützung benötigt.
Im 5R-Modell wird zunächst betont, warum man sein Verhalten ändern sollte (Relevance). Dann werden die Risiken und Bedenken (Risks) adressiert, zum Beispiel: »Was wissen Sie über die Risiken, die durch Tabakkonsum entstehen können?« und »Was bereitet Ihnen konkret Sorgen?«
Daraufhin werden direkt die Vorteile betont (Rewards) – »was würde sich für Sie bessern, wenn Sie aufhören zu rauchen?« Hier gilt: je konkreter, umso besser. Zum Beispiel wieder die Treppen ohne Luftnot zur Wohnung in den dritten Stock zu schaffen, jede Woche 50 Euro zu sparen, besser zu riechen und zu schmecken oder seinem Kind oder Enkelkind ein besseres Vorbild zu sein.
Auch hier werden daraufhin mögliche Hürden (Roadblocks) identifiziert. Am Schluss steht die Wiederholung (Repetition), den Patienten also beim nächsten oder übernächsten Apothekenbesuch erneut Hilfe anzubieten. Wie genau die neue pDL in Deutschland aussehen wird, bleibt abzuwarten.
Nicorette-Hersteller Kenvue begrüßte die Verabschiedung des ApoVWG durch den Bundestag am vergangenen Freitag und sprach vom Angebot einer Rauchentwöhnungsberatung in der Apotheke als Meilenstein zur Unterstützung von Betroffenen und damit zur Senkung der Rauchprävalenz in Deutschland. Eine Umfrage unter 250 Apotheken zum Jahresbeginn im Auftrag des Unternehmens habe ergeben, dass 69 Prozent der Befragten eine pDL zur Rauchentwöhnung in ihrer Apotheke anbieten wollen.