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Stoffwechselengpass hält chronische Darmentzündungen aufrecht

Warum chronisch-entzündliche Darmerkrankungen trotz der körpereigenen Kontrollmechanismen fortbestehen, haben Forschende aus Kiel und den USA näher untersucht. Ihre Ergebnisse weisen auf eine zentrale Rolle des Tryptophan-Stoffwechsels hin.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 26.08.2026  16:20 Uhr

Recycling als Notlösung

Eine zweite Studie unter Leitung von Dr. Abrar I. Asaadi von der Pennsylvania State University untersuchte, was bei einer Blockade des NAD⁺-Stoffwechsels bei akuter Colitis passiert. Die in »Cell Reports« veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass der Körper auf einen alternativen Stoffwechselweg umschaltet: Gewebe recyceln verstärkt Nicotinamid über den sogenannten Salvage-Pathway und stabilisieren so zumindest teilweise die NAD⁺-Spiegel. Auch die Darmmikrobiota erhöht ihre eigene NAD⁺-Produktion. Dies deutet auf eine koordinierte Reaktion von Wirt und Mikrobiom hin.

In der Gabe von Nicotinamid  (Vitamin B3) sehen die Autoren einen möglichen Ansatz für neue Therapien bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Derzeit untersucht die klinische Studie ORNATUS-1 Wirksamkeit und Sicherheit einer kontrolliert freigesetzten Form des Vitamins.

Die Doppelrolle der Darmbakterien

In der dritten Studie analysierte das Team um Wehkamp den Einfluss der Darmmikrobiota auf den Tryptophan- und NAD⁺-Stoffwechsel. Dazu induzierten die Forschenden bei Mäusen chemisch eine Colitis und verglichen Tiere, deren Darmflora durch Antibiotika stark reduziert worden war, mit Tieren ohne Antibiose.

Die im »International Journal of Tryptophan Research« publizierten Ergebnisse zeigen, dass Darmbakterien den Energiehaushalt der Darmschleimhaut maßgeblich beeinflussen. Während durch die Entzündung die NAD⁺-Bildung am Enzym QPRT stockt, konkurrieren die Mikroorganismen zudem mit der Darmschleimhaut um Tryptophan als Ausgangsstoff der NAD⁺-Synthese. Gleichzeitig scheinen die Bakterien die Regulation des Kynurenin-Wegs und damit die NAD⁺-Bildung zu beeinflussen. Wird die Darmflora reduziert, steht dem Wirt nicht nur mehr Tryptophan zur Verfügung. Auch die Stoffwechselvorgänge entlang des Kynurenin-Wegs normalisieren sich und die NAD⁺-Spiegel in der Schleimhaut steigen wieder an. Wie die Mikroorganismen diesen Stoffwechselweg genau steuern, ist allerdings noch unklar.

Die Forschenden schließen daraus, dass die Darmmikrobiota nicht nur Entzündungen beeinflusst, sondern auch die Energieversorgung der Darmschleimhaut reguliert.

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