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Typ-2-Diabetes

Stiftung Warentest bewertet Antidiabetika

In der neuen Ausgabe ihres Magazins »Test« gibt Stiftung Warentest eine Überblick über die mittlerweile vielfältigen Möglichkeiten in der Therapie von Typ-2-Diabetikern. Neben mehr Bewegung und gesunder Ernährung nennt sie Metformin als Mittel der Wahl.
Daniela Hüttemann
25.04.2019
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Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts leiden in Deutschland rund 4,6 Millionen Menschen unter Diabetes, die meisten sind Typ-2-Diabetiker. Dabei sind auch immer mehr jüngere Menschen betroffen. Laut der entsprechenden Nationalen Versorgungsleitlinie wird bei Typ-2-Diabetikern zunächst durch Lebensstiländerungen wie mehr Bewegung und gesündere Ernährung versucht, die erhöhten Blutzuckerspiegel in den Griff zu bekommen. Gelingt dies nicht, kommen Medikamente zum Einsatz.

Als erste Wahl gilt nach wie vor der Klassiker Metformin. Das sehen auch die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest unter Leitung von Professor Dr. Gerd Glaeske so. Am Anfang der Therapie kann es vorübergehend vermehrt zu gastrointestinalen Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall kommen. Metformin gilt aber allgemein als gut verträglich und hat viele Vorteile: Unterzuckerungen treten kaum auf, es hilft bei der Gewichtsabnahme und es verringert nachweislich die Folgeschäden durch Typ-2-Diabetes.

Bei Metformin-Unverträglichkeit oder Kontraindikationen kommen andere Medikamente in Betracht: Sulfonylharnstoffe, die ähnlich wirkenden Glinide, DPP-4-Inhibitoren (sogenannte Gliptine oder Inkretin-Analoga), SGLT-2-Inhibitoren (sogenannte Gliflozine) oder Insulin. Diese Medikamentengruppen nennt die Leitlinie, die derzeit überarbeitet wird, als gleichwertige Alternativen und auch Stiftung Warentest sieht sie als »mit Einschränkung geeignet« an.

Als »weniger geeignet« bezeichnet das Verbrauchermagazin die Glitazone, von denen nur noch Pioglitazon auf dem Markt ist, aber nicht zulasten der GKV verordnet werden kann, und den α-Glucosidase-Hemmer Acarbose. Bei letzterem gibt Warentest zu bedenken, dass der Nutzen nicht ausreichend belegt sei, jedoch viele Patienten unter Durchfall oder Blähungen leiden. Auch die Leitlinie führt sie an letzter Stelle auf.

Bei den Gliptinen und Gliflozinen bemängelt Stiftung Warentest, dass ein Nutzen der Langzeitbehandlung noch nicht nachgewiesen sei. Derzeit werden diese Arzneistoffe in Studien mit harten, längerfristigen Endpunkten überprüft. Zuletzt konnte beispielsweise verschiedene SGLT-2-Hemmer mit positiven Studienresultaten auf sich aufmerksam machen. So konnte in einer großen Studie ein Schutz von Canagliflozin vor Herzinsuffizienz und Nierenversagen nachgewiesen werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Leitlinienautoren in Zukunft diese Arzneistoffe beurteilen werden.

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