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Diabetische Nephropathie
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Spätfolgen vermeiden, Prognose verbessern

Die diabetische Nephropathie ist eine häufige und schwere Komplikation bei Menschen mit Diabetes mellitus. Dank neuer medikamentöser Ansätze und klarer Leitlinien lassen sich Krankheitsverlauf und Folgekomplikationen heute besser beeinflussen. Entscheidend sind eine frühzeitige Diagnostik, individuelle Therapie und die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.
AutorKontaktPeggy Boje
Datum 09.11.2025  08:00 Uhr

Therapie kann Progression stoppen

Die Therapie der diabetischen Nephropathie verfolgt mehrere Ziele:

  • die Progression der Erkrankung aufhalten,
  • das Auftreten von Komplikationen verhindern und
  • die Lebensqualität erhalten.

Zentrales Element ist die strikte Kontrolle des Blutzuckers, da eine gute glykämische Einstellung das Risiko einer Nephropathie verringert und deren Fortschreiten verlangsamt. Ein HbA1c-Wert <6,5 bis 8 Prozent gilt als sinnvolles Ziel, wobei eine individuelle Anpassung je nach Alter, Begleiterkrankungen und Hypoglykämie-Risiko erfolgen muss (8).

Zunächst sollte man versuchen, den HbA1c-Zielwert durch Ernährungsumstellung, mehr Bewegung im Alltag, Gewichtsabnahme und Raucherentwöhnung zu erreichen (Tabelle). Sind diese Maßnahmen unzureichend, sollten orale Antidiabetika ergänzt werden (8).

Therapiestufen Maßnahmen und Medikation
Lebensstil und Selbstmanagement Ernährung, Bewegung, Raucherentwöhnung, Gewichtskontrolle
Erstlinientherapie Metformin, SGLT-2-Inhibitoren (jeweils bei Typ-2-Diabetes)
RAS-Hemmung (ACE-Hemmer, Sartane)
Statine
zusätzliche Medikation zur Herz- und Nierenprotektion GLP-1-Analoga
Thrombozytenaggregationshemmer
nicht steroidaler Mineralocorticoid-Antagonist
Kontrolle aller Risikofaktoren glykämische Überwachung
Kontrolle des Blutdrucks
Lipidmanagement
Neubeurteilung aller Risikofaktoren alle 3 bis 6 Monate
Tabelle: Kardiovaskuläres und renales Diabetesmanagement bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung; modifiziert nach KDIGO-Leitlinie (8)

Die medikamentöse Therapie des Typ-2-Diabetes mellitus richtet sich nach dem Stadium der Nierenerkrankung. Metformin ist das Mittel der ersten Wahl zur Einstellung des Blutzuckers (8), darf jedoch nur bei ausreichender Nierenfunktion eingesetzt werden. Mit abnehmender glomerulärer Filtrationsrate muss die Dosis reduziert oder das Medikament ganz abgesetzt werden (bei GFR kleiner 30 ml/min) (9).

Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz sind orale Antidiabetika in der Regel kontraindiziert. Hier stellen lang- und kurzwirksame Insuline unter regelmäßigen Blutzuckerkontrollen eine sichere Option dar. Eine mehrmals tägliche Blutzuckermessung kann mittels subkutaner Sensoren beispielweise am Oberarm vermieden werden.

Die orale Gabe von Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren (Gliptine) kann vielfach ebenfalls eine sichere Option darstellen. Die Arzneimittel hemmen das Enzym Dipeptidylpeptidase, das den Abbau von Glucacon-like-Peptide 1 (GLP-1) begünstigt. Dieser Wirkmechanismus hat einen erhöhten GLP-1-Spiegel und somit eine verlängerte Insulinausschüttung zur Folge. Ein bekannter Vertreter dieser Gruppe ist zum Beispiel Sitagliptin, das zum Therapiestart mit einer niedrigen Wirkstärke eindosiert und langsam gesteigert werden sollte, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu reduzieren (8, 13).

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