| Christina Hohmann-Jeddi |
| 02.11.2026 18:00 Uhr |
Von zunehmenden Resistenzraten bei Shigellen berichtet auch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC. Einer Publikation aus dem April 2026 zufolge ist die Zahl der extensiv antibiotikaresistenten (XDR) Shigella-Stämme in den USA gestiegen – und zwar von 0 Prozent im Jahr 2011 auf 8,5 Prozent im Jahr 2023 (»Morbidity and Mortality Weekly Report«). Die Patienten mit XDR-Stämmen waren im Durchschnitt 41 Jahre alt, 86 Prozent waren Männer und 82 Prozent hatten keine internationalen Reisen in der Zeit vor der Infektion getätigt.
Als XDR galten Shigellen-Stämme, die gegen Ampicillin, Azithromycin, Ceftriaxon, Ciprofloxacin und Cotrimoxazol resistent waren. Gegen diese stünden keine von der US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigten oralen antimikrobiellen Wirkstoffe zur Therapie zur Verfügung, informieren die CDC. Zwei Drittel der XDR-Stämme entfielen auf S. sonnei, ein Drittel auf S. flexneri. Die Hälfte der XDR-Patienten mit bekanntem HIV-Status war HIV-positiv.
Auch die Europäische Seuchenschutzbehörde ECDC warnte in diesem Jahr – wenige Wochen nach dem CDC-Bericht – vor der zunehmenden Verbreitung von multiresistenten und extensiv resistenten Shigella-Stämmen in Europa. Seit 2023 wurden demnach mehr als 2300 Infektionen registriert, die auf sieben genetisch unterschiedliche Ausbruchsgeschehen mit S. sonnei und S. flexneri zurückgehen. Betroffen sind vor allem, aber nicht ausschließlich, MSM. Die Erkrankungen wurden aus zwölf europäischen Ländern gemeldet, vor allem aus Belgien, Dänemark, Frankreich und Deutschland.
Dem Bericht zufolge haben sich die Übertragungswege in mehreren europäischen Ländern verschoben – von mit Lebensmitteln und kontaminiertem Wasser assoziierten Fällen zunehmend hin zu sexuell übertragenen Infektionen. Dass diese hohe Resistenzraten aufwiesen, könnte dadurch zu erklären sein, dass in den betroffenen Gruppen Antibiotikabehandlungen gegen andere sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien und Gonorrhö einen Selektionsdruck auf die im Darm vorhandenen Shigella-Bakterien ausüben.
»Dies kann dazu führen, dass resistente Shigella-Stämme überleben und sich innerhalb sexueller Netzwerke ausbreiten, selbst wenn die Shigellose nicht das Ziel der Behandlung ist«, heißt es vom ECDC. Die Behörde rät zu mehr Aufklärung über diesen Infektionsweg der Shigellose und mögliche Präventionsmaßnahmen.