| Barbara Döring |
| 12.06.2026 09:00 Uhr |
Schülerinnen und Schüler fühlen sich immer einmal nicht wohl. Dann ist es gut, wenn sie eine medizinische Fachkraft als Ansprechpartner haben. / © Getty Images/lisegagne
Gleiche Bildung für alle Kinder und Jugendliche sollte selbstverständlich sein. Doch nur, wenn Kinder sich wohlfühlen und nicht durch Krankheiten oder psychische Probleme eingeschränkt sind, sind sie in der Lage, am Unterricht teilzunehmen und zu lernen. 3,5 Millionen Kinder haben einen speziellen Versorgungsbedarf aufgrund einer Erkrankung, funktioneller Einschränkungen oder psychischer Probleme. 250.000 Kinder leiden an einer chronischen Erkrankung, etwa Typ-1-Diabetes oder Asthma.
Ihre Probleme sind Teil ihres Schulalltags. Doch kleine Kinder sind noch nicht in der Lage, etwa einen Typ-1-Diabetes selbst zu managen. Und Lehrkräfte können den zusätzlichen Betreuungsaufwand, wenn etwa eine Unterzuckerung oder Atemnot droht, nicht auffangen. Das Expertenbündnis Schulgesundheitspflege setzt sich daher für die Etablierung von Schulgesundheitsfachkräften an Schulen ein, die flächendeckend und verbindlich geregelt sein müssen.
Die Deutsche Gesellschaft für Diabetologie (DDG), die das Projekt unterstützt, stellte auf einer Pressekonferenz nun den im Juni veröffentlichten Expertenbericht »Verantwortung für die Zukunft von Kindern und Jugendlichen – Investment in die Schulgesundheitspflege/School Nursing« vor.
»Schule ist nicht nur Lernort, sondern auch Lebensort«, sagte Professorin Dr. Heidrun M. Thaiss, Professorin für Health Promotion an der Technischen Universität München und Executive Director Medicine & Science der Felix Burda Stiftung. »Wenn dort gesundheitliche Unterstützung fehlt, betrifft das nicht nur die medizinische Sicherheit der Kinder, sondern auch ihre gesellschaftliche Teilhabe, ihre Bildungschancen und den Familienalltag.«
Der Expertenbericht zeige, dass School Nursing ein alltagspraktischer, wirksamer Beitrag moderner Präventionspolitik ist. Schulgesundheitsfachkräfte sind in manchen Ländern wie Belgien oder Großbritannien zum Teil bereits seit Jahrzehnten fest etabliert. In Deutschland gibt es einzelne Modellprojekte mit insgesamt 150 School Nurses, aber keinen flächendeckenden, verbindlichen Regelbetrieb. Belgien hat mit nur 12 Millionen Einwohnern dagegen bereits 3300 Schulgesundheitsfachkräfte etabliert.
Zurzeit gebe es zwar viele, oft hoch qualifizierte Anbieter von außen, die projektbasiert zu Themen wie Ernährung, Sucht oder Sexualaufklärung in Schulen kämen, sagte Thaiss. Diese wären jedoch nur kurzzeitig an den Schulen tätig. Nötig wäre ein nachhaltiges Angebot mit niedrigschwelligen Ansprechpartnern und Vertrauenspersonen in interdisziplinären Teams vor Ort. Diese kämen nicht nur der Gesundheit der Kinder zugute, sondern auch den oft stark belasteten Lehrkräften und Eltern.