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Apotheker P. F. Feldhaus

Schoko mit Nuss statt Arzneimittel

Der Apotheker Peter Ferdinand Feldhaus wurde vor 200 Jahren in Neuss geboren. Er war nicht nur Besitzer der dortigen Löwen-Apotheke, sondern auch Gründer der Schokoladenfabrik »Novesia«, Herstellungsort der berühmten »Novesia-Gold-Nuss«. Die Fabrik gilt als ältestes Unternehmen der Schokoladenindustrie in Deutschland. Die Nebentätigkeit als Schokoladenfabrikant war für einen Apotheker ungewöhnlich. (1).
Christoph Friedrich
29.12.2021  11:00 Uhr
Schoko mit Nuss statt Arzneimittel

Feldhaus (1821 bis 1889) entstammte einer Fabrikantenfamilie, der Urgroßvater Johann Caspar Feldhaus (1720 bis 1759) hatte Mitte des 18. Jahrhunderts eine Textilfirma gegründet, die sein Sohn Caspar Wilhelm (1745 bis 1809) weiterführte. Erst der Vater von Peter Ferdinand, Ferdinand Jonathan Feldhaus (1786 bis 1833), ergriff den Apothekerberuf. 1810 erwarb er die Löwen-Apotheke in Neuss, die dort neben der Einhorn-Apotheke als zweite Offizin existierte. Ferdinand Jonathan Feldhaus war daher an zusätzlichen Nebeneinnahmen interessiert. So widmete er sich der Herstellung und dem Verkauf von Spirituosen, aber auch von Schokolade (2, S. 16f.).

Die Samen des Kakaobaumes (Theobroma cacao) spielten in der Pharmazie seit dem 17. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Der früheste Verweis auf die Schokoladenproduktion in Neuss findet sich in den in Düsseldorf erschienenen »Niederrheinischen Blättern« vom 31. Oktober 1815, in denen Ferdinand Jonathan Feldhaus für seine »selbstverfertigte feinste Vanille-Chocolade« warb (3, S.4).

1820 heiratete er in zweiter Ehe Marie Elisabeth Schmitz (1795 bis 1836), die Schwester seiner ersten Ehefrau Sophia Katharina (1793 bis 1819), die bei der Geburt des achten Kindes verstorben war (2, S. 19). Mit Marie Elisabeth hatte Feldhaus acht weitere Kinder, darunter Peter Ferdinand, der am

19. Juli 1821 geboren wurde und dem noch sieben Geschwister folgten.

Apotheker ohne Neigung

Als der Vater 1833 plötzlich verstarb, war Peter Ferdinand erst elf Jahre alt. Auf Wunsch der Mutter und seines Vormundes sollte er die Apotheke übernehmen, obwohl er dazu wenig Neigung verspürte (1).  Zwar hatte er Interesse an Maschinen und technischen Verfahren, jedoch weniger an der Herstellung und dem Verkauf von Arzneimitteln. Dem Wunsch der Mutter folgend, begann er eine pharmazeutische Ausbildung in der Löwen-Apotheke in Neuss. Ab 1841 konditionierte er als Gehilfe im belgischen Eupen bei Ludwig Schleicher. Um Apotheker Erster Klasse zu werden, ging Feldhaus nach Berlin und hörte an der 1810 gegründeten Universität Vorlesungen bei dem Botaniker und Apotheker Heinrich Link (1767 bis 1851), dem Chemiker Eilhard Mitscherlich (1794 bis 1863) sowie bei dem Mediziner Johann Ludwig Casper (1796 bis 1864) (4). 1845 bestand er das Examen und am 27. Mai 1846 erhielt er die Konzession für die Löwen-Apotheke in Neuss, die nach dem Tode seines Vaters von einem Provisor geführt worden war, der auch die Schokoladenherstellung leitete (3, S.16, 5).

Wie zu erwarten, widmete sich Feldhaus der Herstellung von Schokolade mit größerem Engagement als der Apotheke. In Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Schokoladenfabrikanten Casparus van Houten (1770 bis 1858), der dafür 1828 ein Patent angemeldet hatte, stellte Feldhaus als einer der ersten entölten Kakao her. Die mittels hydraulischer Presse als Nebenprodukt gewonnene Kakaobutter nutzte er in seiner Apotheke als Salbengrundlage für veterinärmedizinische Produkte. Da Neuss einen der bedeutendsten Tiermärkte des Westens besaß, brachten diese Arzneimittel der Löwen-Apotheke beträchtliche Umsätze (1). Größte Aufmerksamkeit schenkte Feldhaus der Mechanisierung der Schokoladenproduktion. So erwarb er vom ersten Hersteller von Schokoladen-Spezialmaschinen, der Firma G. Hermann aus Paris, eine Kakaomühle sowie ein Walzwerk der Firma J. M. Lehmann in Dresden (2, S. 27). Schon sehr früh hatte sich Feldhaus mit der Herstellung von Milchschokoladetäfelchen aus Milchpulver befasst, die Vorschrift erschien 1839 im »Neußer Intelligenzblatt« (1).

1860 verlegte Feldhaus die Schokoladenproduktion in ein extra dafür angemietetes Haus am Hamtor (1). Die Gründung einer Firma aus einer Apotheke heraus folgte damals einem verbreiteten Muster, wie auch der Lebensweg des Lebensmittelherstellers Henri Nestlés (1814 bis 1890) zeigt. Feldhaus ließ sich aber auch von dem Beispiel der Schokoladenfabrik von Stollwerck in Köln, die aus einer Mürbebäckerei hervorgegangen war, inspirieren, wie sich sein Sohn Richard erinnert, der ihn weniger als Innovator, sondern vielmehr als Nachahmer, der aufmerksam den Markt verfolgte, bezeichnete. 1864 verlegte Feldhaus seine Fabrik in ein »vor dem Oberthore an der Cölner Chaussee« gelegenes noch im Bau begriffenes Wohnhaus, das er bei einer Versteigerung erworben hatte. Im gleichen Jahr verkaufte er die Löwen-Apotheke, was erstaunt, da er fünf Söhne hatte. Aber vermutlich benötigte er das Kapital für die Modernisierung seiner Schokoladenfabrik. So wurden Kühlaggregate und Dampfkessel angeschafft, sodass das Unternehmen 1870 unter dem Namen »Dampf-Chokoladen-Fabrik« firmierte (2, S. 28).

 

Parallel zur Modernisierung baute Feldhaus sein Vertriebsnetz aus. Im Unterschied zu seinem Vater erfolgte der Verkauf nicht mehr nur über die eigene Apotheke, sondern auch in »Conditoreien, sowie in den Delicatess-, Colonial- und Materialwarenhandlungen« (3, S. 37). Zum geschäftlichen Erfolg trug ebenso die Teilnahme an Gewerbeausstellungen bei, so an der Weltausstellung in London 1862, wo Feldhaus eine Goldmedaille erhielt, 1867 in Paris und 1873 in Wien. Ein Bericht der Neusser Handelskammer bestätigte die positive Geschäftsentwicklung: »Das Absatzgebiet der hiesigen Chokolade gewinnt stets an Ausdehnung, wozu eben die Güte dieses Fabrikates am meisten beiträgt« (3, S. 30).

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