| Annette Rößler |
| 30.10.2026 09:00 Uhr |
Die Wirkung von Trenibotulinumtoxin E beginnt acht Stunden nach der Injektion, erreicht ihr Maximum nach sieben Tagen und klingt innerhalb von zwei bis drei Wochen wieder ab. Der im Vergleich zu Botulinumtoxin A steilere und kürzere Verlauf der Wirksamkeitskurve beruht auf mehreren Faktoren. Unter anderem wird das für die Freisetzung von Acetylcholin aus den Nervenendigungen essenzielle präsynaptische Protein SNAP-25 von Trenibotulinumtoxin E an einer anderen Stelle gespalten als von Botulinumtoxin A. Die resultierenden Bruchstücke werden im Fall von Trenibotulinumtoxin E schneller abgebaut, weshalb sich die Funktion der Nervenzelle schneller wieder regeneriert.
In den für die Zulassung ausschlaggebenden Studien M21-500 und M21-508 wurden insgesamt 725 Erwachsene mit mittelschweren bis schweren Glabellafalten mit Trenibotulinumtoxin E oder Placebo behandelt. Der koprimäre Wirksamkeitsparameter war definiert als Anteil der Teilnehmenden, die an Tag 7 eine Verbesserung um mindestens 2 Punkte auf der Facial Wrinkle Scale (FWS) erreichten, beurteilt einerseits durch den Prüfarzt und andererseits durch den Teilnehmenden selbst. Die FWS umfasst 4 Punkte und reicht von 0 (keine Falten) bis 3 (schwere Falten).
Von den insgesamt 532 Patienten, denen Trenibotulinumtoxin E gespritzt wurde, zeigten 61,0 bis 73,6 Prozent an Tag 7 eine Besserung um mindestens 2 Punkte auf der FWS; unter den insgesamt 193 Patienten, die Placeboinjektionen erhalten hatten, waren es 0,0 bis 0,8 Prozent. Die Prüfärzte beurteilten dabei den Behandlungserfolg tendenziell günstiger als die Teilnehmenden selbst. Nebenwirkungen der Behandlung waren ein Herunterhängen des Augenlids und/oder der Augenbraue und der sogenannte Mephisto-Effekt, eine seitliche Anhebung der Augenbrauen.
Nach der Anwendung von BTX-Präparaten zur Faltenreduktion kann das Blinzeln reduziert sein. In der Folge kann es zu trockenem Auge kommen. Möglich ist auch, dass sich das Toxin in weiter entfernte Bereiche ausbreitet und es zu Schluck- und Sprechstörungen oder Atembeschwerden kommt. In diesem Fall sollen Betroffene unverzüglich ärztliche Hilfe aufsuchen.
Boey ist bei 2 bis 8 °C im Kühlschrank in der Originalverpackung aufzubewahren.
Mit Trenibotulinumtoxin E kommt frischer Wind in die ästhetische Medizin. Anders als die Botulinumtoxin-A-Präparate basiert der neue Wirkstoff auf Typ E. Seine Innovation liegt vor allem im Wirkprofil: Der Effekt kann bereits nach wenigen Stunden eintreten, klingt jedoch deutlich schneller ab als bei Onabotulinumtoxin A. Das bietet Vorteile für Patienten, die eine kurzfristige Behandlung wünschen oder sich erstmals an Botulinumtoxin herantasten. Auch unerwünschte muskuläre Effekte könnten schneller reversibel sein. Die kurze Wirkdauer ist zugleich der größte Nachteil: Für einen anhaltenden Effekt sind häufigere Injektionen erforderlich, verbunden mit zusätzlichem Behandlungsaufwand. Trenibotulinumtoxin E ersetzt somit das bewährte Onabotulinumtoxin A nicht, sondern erweitert das therapeutische Spektrum um eine neue flexible Option und ist daher als klassische Schrittinnovation zu sehen.
Sven Siebenand, Chefredakteur