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Stiller Zwischenwirt?

SARS-CoV-2 und Katzen

Berichte, dass Katzen im Gegensatz zu Hunden, Schweinen und Hühnern experimentell relativ leicht mit SARS-CoV-2 infiziert werden können und das Virus auch an andere Katzen weitergeben können, beunruhigen. Jetzt liefert eine kleine kontrollierte Studie mehr Informationen. 
Theo Dingermann
19.05.2020  11:40 Uhr

Im »New England Journal of Medicine« (NEJM) berichten Wissenschaftler aus den USA und Japan über eine Studie, in der sie der Frage nachgegangen waren, ob Katzen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren, das Virus auf andere Katzen übertragen können.

Das Team um Peter J. Halfmann von der University of Wisconsin infizierte hierfür zunächst drei Hauskatzen am Tag 0 mit SARS-CoV-2. Einen Tag nach der Inokulation wurde jede der infizierten Katzen mit einer nicht infizierten Katze zusammengebracht, um zu beurteilen, ob eine Übertragung des Virus durch direkten Kontakt zwischen den Tieren in jedem der drei Paare stattfinden würde. Täglich wurden Nasen- und Rektalabstrichproben entnommen und sofort auf infektiöses Virus in einem VeroE6/TMPRSS2-Zell-Modell untersucht.

Am Tag 1 konnte bei zwei der bewusst infizierten Katzen das Virus bereits nachgewiesen werden. Am dritten Tag war das Virus bei allen drei infizierten Katzen nachweisbar. Bei allen Katzen war ein Virusnachweis bis zum fünften Tag und bei zwei der drei Katzen bis zum sechsten Tag möglich.

Die Katzen ohne vorherige Infektion wurden am Tag 1 mit den infizierten Katzen zusammengebracht. Zwei Tage später, am Tag 3, wurden bei einer der Katzen ohne vorherige Infektion infektiöse Viren in einer Nasenabstrichprobe nachgewiesen, und fünf Tage später wurde das Virus bei allen drei SARS-CoV-2-naiven Katzen nachgewiesen.

Die Virustiter bei den Katzen, die sich angesteckt hatten, erreichten einen Spitzenwert von 104,5 plaquebildenden Einheiten pro Milliliter, und das Virus wurde über vier bis fünf Tage ausgeschieden. In keinem Rektalabstrich wurden Viren nachgewiesen.

Katzen bleiben symptomfrei

Obwohl es Berichte über symptomatisch infizierte Katzen gibt, zeigte in dieser Studie keine der Katzen irgendwelche Symptome, einschließlich einer abnormalen Körpertemperatur, einer erheblichen Gewichtsabnahme oder einer Bindehautentzündung. Bei allen Tieren waren am Tag 24 nach der Infektion IgG-Antikörpertiter zwischen 1:5120 und 1:20.480 nachweisbar.

Es steht mittlerweile außer Zweifel, dass das SARS-CoV-2 in Katzen replizieren kann und dass infizierte Katzen auch andere Artgenossen anstecken können. Dazu gibt es auch andere Berichte, wo auch Infektionen von Tigern und Löwen im Zoo der Bronx geschildert werden.

Offensichtlich ist die Übertragung relativ leicht möglich. Dies gilt es eng zu beobachten. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass auch eine Übertragung von Katzen auf den Menschen bereits jetzt oder künftig möglich ist. Diese Möglichkeit ist von besonderer Bedeutung für Familien, die mit Katzen zusammenleben und die in Zeiten eines Lockdowns einen noch engeren Kontakt mit den Tieren pflegen als dies in normalen Zeiten üblich ist.

Darüber hinaus könnten Katzen ein stiller Zwischenwirt von SARS-CoV-2 sein oder eventuell auch werden, da infizierte Katzen keine nennenswerten Symptome zeigen, die von ihren Besitzern erkannt werden können. Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben Richtlinien für Tierhalter bezüglich SARS-CoV-2 herausgegeben.

Angesichts der Notwendigkeit, die SARS-CoV-2-Pandemie durch verschiedene Mechanismen darunter auch die Unterbrechung  von Übertragungsketten zu stoppen, ist ein besseres Verständnis zweifelsfrei erforderlich, welche Rolle Katzen bei der Übertragung von SARS-CoV-2 auf den Menschen spielen könnten.

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