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Umfrage

Russische Ärzte skeptisch gegenüber Sputnik-Impfstoff

Ärzte und Lehrer sollen in Russland als erste mit dem neuen Coronavirus-Impfstoff »Sputnik V« geimpft werden. Eine Umfrage unter Medizinern des Landes zeigt aber: Die Mehrheit möchte das gar nicht.
Annette Rößler
19.08.2020  09:20 Uhr

Es war ein Paukenschlag, als Russlands Präsident Wladimir Putin am 11. August 2020 die Zulassung des ersten Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 verkündete. Der Rest der Welt wunderte sich – und war empört, denn wie es schien, hatte man bei der Entwicklung der Vakzine die wichtige Phase III der klinischen Prüfung ganz einfach weggelassen und so ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko in Kauf genommen. Bei genauerer Betrachtung entpuppte sich die »Zulassung« jedoch als Notfallzulassung unter Auflagen und mit Befristung. Der Impfstoff wird zunächst an 2000 Personen getestet, bevor er am 1. Januar 2021 »in den zivilen Verkehr eingeführt« wird.

Zuerst sollen Ärzte und Lehrer geimpft werden. Doch wollen die das überhaupt? Offenbar nicht oder zumindest nicht mehrheitlich, wie jetzt eine Umfrage zeigt. Laut der Nachrichtenseite »Medscape« gaben bei der Befragung über die App »Doctor's Handbook« 52 Prozent von 3040 russischen Ärzten und Angehörigen von Gesundheitsberufen an, sich nicht impfen lassen zu wollen. Lediglich jeder vierte Befragte war dazu bereit. Seinen Patienten, Kollegen oder Freunden die Impfung empfehlen wollte nur jeder Fünfte.

Der Grund für die Zurückhaltung ist laut »Medscape« das Fehlen wichtiger Daten aufgrund der superschnellen Zulassung des Impfstoffs. Die Vorbehalte der Ärzte würden von einem Teil der russischen Bevölkerung geteilt. Andere wiederum stimmten der Regierung zu, dass die Skepsis ausländischer Experten gegenüber dem Impfstoff vor allem durch Neid verursacht sei.

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