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Coronavirus in Deutschland

RKI warnt vor Szenario mit 10 Millionen Infizierten

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat vor einem Szenario mit 10 Millionen Coronavirus-Infektionen bis in einigen Monaten in Deutschland gewarnt. Dies könne eintreten, wenn die von der Bundesregierung angeordneten Maßnahmen nicht eingehalten würden.
Christina Hohmann-Jeddi
18.03.2020  13:18 Uhr

Deutschland steht noch am Anfang einer Epidemie, die noch Monate anhalten wird. »Wir sehen einen exponenziellen Verlauf der Epidemie«, sagte Professor Dr. Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. Inzwischen habe das RKI knapp 8200 bestätigte Fälle bundesweit gemeldet bekommen, gut 1000 mehr als am Vortag. Er appellierte an die Bevölkerung: »Setzen Sie die von der Bundesregierung geforderten Maßnahmen uneingeschränkt um.« Dazu zählt, grundsätzlich Abstand von anderen Menschen zu halten und soziale Kontakte zu reduzieren. Personen mit Atemwegserkrankungen sollten zuhause bleiben. Das Virus werde nur von Mensch zu Mensch übertragen, daher sei es möglich, durch dieses Verhalten die Ausbreitung einzudämmen.

»Wenn wir es nicht schaffen, die Maßnahmen, die die Bundesregierung vor einigen Tagen erlassen hat, einzuhalten und die Kontakte unter den Menschen wirksam und über einige Wochen nachhaltig zu reduzieren, dann ist es möglich, dass wir in zwei bis drei Monaten bis zu 10 Millionen Infizierte in Deutschland haben – mit einer entsprechend erheblichen Überlastung des Gesundheitswesens«, sagte Wieler. »Wir alle können dazu beitragen, dass dieses Zahl-Szenario nicht wahr wird.« Die Berechnungen des RKI zeigten auch, dass durch Minimierung der Kontakte, die Zahl der Infektionen deutlich gedrückt werden könnte. »Je konsequenter uns das gelingt, desto besser.«

Wieler stellte in diesem Zusammenhang auch klar, dass die derzeit geltenden Regelungen ein Extrem- und kein Dauerzustand seien. Die getroffenen Maßnahmen würden je nach Situation vom RKI immer wieder geprüft und angepasst. Ob die derzeit veranlassten Maßnahmen Wirkung zeigen, sei in etwa zwei Wochen erkennbar, dann könne gegebenenfalls nachgesteuert werden.

Das RKI nutzt dabei auch aggregierte anonymisierte Mobilfunkdaten, um die Mobilität der Bevölkerung abzuschätzen. »Die Daten zeigen uns, ob insgesamt die Mobilität der Bevölkerung nachgelassen hat.« Dadurch könne das Institut feststellen, ob die von der Bundesregierung geforderten Maßnahmen auch eingehalten werden. Das sei wichtig, um die Wirkung der Interventionen abschätzen zu können, was allein über die Infektionszahlen nicht möglich sei. »Wenn wir sehen, dass die Menschen die Maßnahmen gar nicht umsetzen, und das sehen wir anhand dieser aggregierten Daten, dann wissen wir den Grund dafür, warum die Intervention nicht erfolgreich ist.«

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