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RKI-Präsident Wieler

Disziplin auch zu Silvester gefragt

Trotz des Starts der Impfaktion in Deutschland sollten die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus nicht vernachlässigt werden, heißt es vom Robert-Koch-Institut (RKI). Das gilt auch für Silvester.
dpa
PZ
30.12.2020  14:28 Uhr

Nach dem Start von Covid-19-Impfungen in Deutschland hat das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin vor Nachlässigkeit beim Einhalten der Verhaltensregeln gewarnt. »Trotz der Impfung müssen wir uns in den nächsten Monaten alle weiterhin an die AHA+L-Regeln halten und unsere Kontakte einschränken«, mahnte RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. Die AHA+L-Regeln stehen für Abstandhalten, Hygiene, Alltagsmaskentragen und Lüften. Wieler rief dazu auf, nicht zu verreisen, möglichst wenige Menschen zu treffen - und wenn, dann nur dieselben Personen und im Freien. »Lassen Sie uns dem Virus gemeinsam den Wind aus den Segeln nehmen.« Das RKI hatte vor Weihnachten entsprechende Tipps zum sicheren Feiern veröffentlicht, die auch für Silvester Gültigkeit hätten. 

Der öffentliche Lockdown habe nur dann einen Sinn, wenn auch im Privaten die Kontakte deutlich reduziert würden, betonte Wieler. Das mache über Silvester niemandem Spaß, sei aber notwendig. Es werde noch Monate dauern, bis so viele Menschen geimpft sind, dass auch die Zirkulation des Virus in der Bevölkerung reduziert werde, so der RKI-Präsident. Einerseits müsse der Impfstoff in ausreichender Menge verfügbar sein, andererseits dauere es, das Mittel zu verabreichen. Auch nach der Impfung der ersten Gruppen seien nicht alle geschützt, kein Impfstoff sei perfekt, unterstrich Wieler. Es sei zudem unklar, in welchem Umfang die Impfung Ansteckungen verhindern könne. Inzwischen wurden laut dem RKI-Bericht vom 29. Dezember bereits fast 42.000 Personen in Deutschland geimpft.

Höchststand bei Todeszahlen

Wie ernst die Situation derzeit noch ist, zeigt der Blick auf die aktuellen Zahlen: Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus hat zum ersten Mal die Marke von 1000 überschritten. Binnen einen Tages übermittelten die Gesundheitsämter dem RKI 1129 neue Todesfälle, wie aus RKI-Zahlen vom Mittwochmorgen hervorgeht. Außerdem wurden 22.459 Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt befinden sich laut DIVI-Intensivregister derzeit mehr als 5600 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Betreuung. Vergangenen Mittwoch (23. Dezember) waren 24.740 Neuinfektionen und der bisherige Höchststand von 962 Todesfällen gemeldet worden. Laut RKI sind die aktuellen Zahlen nur bedingt mit den Werten der Vorwoche vergleichbar, da es zum Jahreswechsel hin eine geringere Zahl an Tests und auch weniger Meldungen von den Gesundheitsämtern gebe.

Der Tageshöchststand bei den gemeldeten Corona-Todesfällen in Deutschland ist aus Sicht des RKI wohl auch durch Nachmeldungen bedingt. »Die plausibelste Erklärung ist die, dass es eben verzögerte Meldungen sind von Todesfällen«, sagte Wieler. Über die Feiertage seien die Zahlen von Neuinfektionen und Gestorbenen relativ gering gewesen. Wieler bekräftigte, eher auf Wochenwerte zu blicken statt auf den Stand an einzelnen Tagen.

Auf der heutigen Pressekonferenz gab auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn seine Einschätzungen zur Situation: »1129 Familien werden diesen Jahreswechsel in Trauer erleben«, sagte der CDU-Politiker. »Diese Zahlen belegen, wie brutal dieses Virus immer noch zuschlägt.« Von einer Normalität sei man noch sehr weit entfernt. »Ich sehe also nicht, wie wir in dieser Situation zurückkehren können in den Modus vor dem Lockdown.« Auch nicht an Silvester. Es werde wohl der ruhigste Jahreswechsel werden, an den sich Deutschland erinnern kann.

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