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Versorgung und Reformen
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Rita Süssmuths Vermächtnis für die Gesundheitspolitik

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) griff im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zum Tod der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth am 1. Februar 2026 aktuelle gesundheitspolitische Herausforderungen auf und würdigte zugleich Süssmuths Lebenswerk.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 26.03.2026  14:14 Uhr

»Verstärkung des Zweifels gegenüber der Institution Wissenschaft«

Dieses Thema griff auch Alena Buyx, Professorin für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien und Direktorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Technischen Universität München, in der Diskussionsrunde auf. »Wir erleben eine Verstärkung des Zweifels gegenüber der Institution Wissenschaft als solcher und insbesondere auch in Bezug auf klassische medizinische Wissenschaft, die ich mir so gar nicht hätte vorstellen können«, verdeutlichte Buyx.

Was das Vertrauen in die Wissenschaft angehe, sehe man glücklicherweise derzeit in Befragungsstudien eine Rückkehr zum Stand vor der Pandemie. »Ich glaube, es ist schon gelungen, das Grundvertrauen in die medizinische Wissenschaft zu sichern.« Was Buyx jedoch am meisten besorgt, sei eine generelle Abkehr des Vertrauens auf »tiefere Bildung« in der jungen Generation. Es gebe alarmierende Zahlen dazu, wie sehr der Stellenwert von Bildung, Ausbildung, Hochschulbildung in den vergangenen Jahren abgenommen habe.

Gerade bei jungen Leuten müsse man eine Sprache finden, die sich gut vermitteln lasse und dafür zu werben, »dass Wissenschaft Grundlage unseres Wohlstandes ist, Grundlage allen Fortschritts, und eben auch Grundlage von Gesundheit, von gesellschaftlicher Weiterentwicklung.« Diese Baustelle werde durch den sogenannten »KI-Slop«, also massenhaft produzierte Texte, Bilder oder Videos, die von generativer KI erstellt wurden, noch verstärkt.

»Es ist ein absolutes Desaster«

Das, was derzeit mit dem Gesundheitswesen in den USA passiere, bezeichnete Buyx als »absoluten Irrsinn«. »Es ist ein absolutes Desaster. In der Forschung geht so viel kaputt«, mahnte sie und hob gleichzeitig hervor: »Wir müssen uns sehr deutlich machen, dass wir nicht die USA sind. Bei uns ist Wissenschaftsfreiheit verfassungsrechtlich anders geschützt als in den USA.« Trotzdem mache sie sich »tiefe Sorgen«, wenn in Thüringen oder in Sachsen-Anhalt die AfD ein Wissenschaftsressort besetze, weshalb man sich rüsten müsse: »Wir arbeiten darauf hin, dass diese Durchgriffe bei uns nicht möglich sind und niemals möglich werden.«

Auch Nina Warken hob in diesem Zusammenhang während der Diskussion hervor, dass die Politik in den USA die Wissenschaft auf eine Weise infrage stelle, der man entgegentreten müsse. »Wir übernehmen da eine starke Rolle. Die Zusammenarbeit beim Thema globale Gesundheit ist eine Herausforderung für alle, die noch an Bord bleiben. Wir müssen vorbereitet sein auf mögliche neue Pandemien und Krankheitsgeschehen in der Welt und da braucht es Zusammenarbeit.«

Warken machte zudem deutlich, dass Ärztinnen und Ärzte eine »extrem wichtige Rolle« im Gesundheitswesen spielen. Sie wolle die Ärzteschaft als »erste Anlaufstelle in einem Primärversorgungssystem« stärken und »mit weiteren Aufgaben und weiteren Rollen« versehen. Auch im Hinblick auf Prävention würden Ärztinnen und Ärzte eine »ganz große Rolle« spielen. Es brauche weniger Bürokratie und es müsse versucht werden, Arztpraxen breiter aufzustellen und dort mehr in Teams zu arbeiten. »Ärzte brauchen aber auch die Zeit, um ihrer Rolle mit gerecht werden zu können«, sagte Warken. Dies sei im jetzigen, durch Kostendruck geprägten System nicht einfach.

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