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Versorgung und Reformen
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Rita Süssmuths Vermächtnis für die Gesundheitspolitik

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) griff im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zum Tod der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth am 1. Februar 2026 aktuelle gesundheitspolitische Herausforderungen auf und würdigte zugleich Süssmuths Lebenswerk.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 26.03.2026  14:14 Uhr

»Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Erkrankten«

Mutig und unbeugsam habe Süssmuth ihren Kurs der »Solidarität, der Aufmerksamkeit und vor allem der Menschlichkeit« im Umgang mit der Krankheit durchgesetzt. »Und das zeugte von beeindruckender Durchsetzungskraft und von Prinzipienfestigkeit.« Viele Menschen zur damaligen Zeit hätten die unbegründete Angst gehabt, sich bei einer einfachen Berührung anzustecken. »Rita Süssmuth hat einfach die Hand ausgestreckt«, so Warken. »Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Erkrankten«, habe Süssmuth gesagt. Damit holte sie die Prävention der Krankheit auch in die Mitte der Gesellschaft, betonte die Ministerin.

»Gib Aids keine Chance«, eine der erfolgreichsten Kampagnen der vergangenen Jahrzehnte, startete in Süssmuths Amtszeit. Dem Prinzip der Solidarität habe sich Süssmuth zeitlebens verpflichtet gefühlt, aber auch das Prinzip der Subsidiarität sei für sie handlungsleitend gewesen: Sie habe die Eigenverantwortung und Hilfe zur Selbsthilfe im Umgang mit HIV und Aids gefördert und einen Dialog auf Augenhöhe mit den Betroffenen geführt.

»Das gesellschaftliche Klima wird rauer«

Rita Süssmuth regte 1987 die Nationale AIDS‑Stiftung an, die später in der heutigen Deutschen AIDS‑Stiftung aufging. Die Stiftungsorsitzende Anne von Fallois betonte in der Diskussionsrunde, dass das Thema HIV in Deutschland noch nicht erledigt sei. »Betroffene erleben Ausgrenzung und Diskriminierung. Auch Organisationen, die sich um diese Menschen kümmern, geraten unter Druck«, sagte sie. »Wir erleben, dass das gesellschaftliche Klima rauer wird und das wird unmittelbare Folgen haben, wie erfolgreich wir den Kampf gegen HIV und Aids fortsetzen können, wie sehr wir die Errungenschaften, die wir vor allen Dingen Frau Süssmuth verdanken, verteidigen können.« 

Anne von Fallois machte vor dem Hintergrund von zunehmenden Verschwörungstheorien und Zweifeln an Wissenschaft im Internet deutlich, dass es Orte der verlässlichen Information über HIV und Aids brauche, »analog und digital«. Menschen bräuchten sichere Orte für Informationen und vor allem junge Menschen mehr Gesundheitskompetenz.

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