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Augengesundheit

Risikofaktor Rauchen

Nikotinkonsum steigert die Wahrscheinlichkeit, an einer altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) beziehungsweise Glaukomen oder Katarakten zu erkranken, warnt die »Stiftung Auge« der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in München. Im Vergleich zu Nichtrauchern hätten Raucher ein fast doppelt so hohes Risiko, am Grünen Star zu erkranken.
Christiane Berg
14.07.2020  09:00 Uhr

Das Glaukom gilt als zweithäufigste Ursache für den Verlust des Sehvermögens in Deutschland. Rund 15 Prozent der Erblindungen sind auf diese Erkrankung, die auf der Schädigung des Sehnervs durch einen erhöhten Augeninnendruck basiert, zurückzuführen.

Neben direkten toxischen Einflüssen auf die Zellen bewirkt starker Nikotinkonsum unter anderem eine Störung des sogenannten Trabekelmaschenwerks, die den Druck im Augeninneren und damit auf den Sehnerv steigert. »Ein Rauchstopp senkt das Erkrankungsrisiko deutlich. Bei ehemaligen Rauchern liegt es nur um etwas mehr als ein Viertel über dem von Nichtrauchern«, macht der Vorsitzende der Stiftung, Professor Frank G. Holz, in einem aktuellen Statement deutlich.

»Wer seine Augen schützen will, sollte die Finger von Zigaretten lassen.«
Professor Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn

Einer US-amerikanischen Studie zufolge liege die Wahrscheinlichkeit an einer AMD zu erkranken bei aktiven Rauchern bei rund 83 Prozent. Bei ehemaligen Rauchern liegt sie um 42 Prozent über der von Nichtrauchern, erklärt Holz weiter. Zudem trete die feuchte AMD bei Rauchern durchschnittlich etwa fünf Jahre früher als bei Nichtrauchern auf. Das Risiko der Entstehung einer Katarakt, also eines Grauen Stars, steige um circa 30 Prozent.

Klassische und elektrische Zigaretten gleichermaßen risikoreich

Holz betonte, dass in diesem Zusammenhang die Kombination mehrerer negativer Gesundheitseinflüsse von Bedeutung ist. Zum einen führten die im Tabak enthaltenen Giftstoffe zu einer direkten Schädigung spezifischer Körperzellen. Zum anderen steige in Abhängigkeit von Dauer und Intensität des Nikotinkonsums das Risiko für Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Hypertonie oder Durchblutungsstörungen, bei denen die Augen langfristig in Mitleidenschaft gezogen werden.

»Es gilt eine einfache Regel: Wer seine Augen schützen will, sollte die Finger von Zigaretten lassen«, so der Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn, der Rauchern zum sofortigen Rauchstopp rät. Die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen der Augen, die langfristig und unbehandelt zur Erblindung führen können, werde so deutlich gesenkt.

»Zigarettenrauch greift auch den Tränenfilm an, der wie ein Schutzschild auf der Augenoberfläche wirkt. Somit wird zudem das Syndrom des trockenen Auges begünstigt. Das Auge ist anfälliger für Verletzungen«, ergänzte Professor Dr. Christian Ohrloff, Sprecher der »Stiftung Auge«.

Ganz abgesehen davon, dass E-Zigaretten gleichermaßen einen Mix aus diversen zellschädigenden Chemikalien, Aromen und zumeist auch Nikotin enthalten: Der ehemalige Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt warnte vor dem Irrglauben, der Dampf aus E-Zigaretten, als vermeintlich gesündere Alternative, habe keine negativen Effekte auf die Augenoberfläche. »Mit Blick auf die Entstehung von Augenkrankheiten macht es kaum einen Unterschied, ob jemand zur klassischen Tabakzigarette oder zur elektrische Zigarette greift«, so der Ophthalmologe.

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