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Antibiotika
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Richtige Dosierung kann bei Älteren tricky sein

Im Alter verändern sich diverse Parameter, die einen Einfluss auf die Pharmakokinetik haben. Medikamentendosen, die für Erwachsene mittleren Alters passen, können dann zu hoch oder zu gering sein. Bei Antibiotika kann dadurch die Gefahr von Resistenzen steigen.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 06.05.2026  14:00 Uhr

Veränderungen im Alter

Im Alter verändern sich verschiedene Gegebenheiten, die die PK beeinflussen, sodass peroral verabreichte Arzneistoffe von älteren Patienten meist schlechter aufgenommen werden als von jüngeren. Hierfür gibt es mehrere Ursachen: eine verstärkte Neigung zu Mundtrockenheit, eine reduzierte gastrointestinale Motilität mit der Folge einer verlängerten Magen-Darm-Passage, eine verminderte Kapazität zur Säurebildung sowie eine geringere Expression wichtiger Transportproteine. In der Folge sinkt laut Hübner potenziell die Absorption von Azithromycin, Erythromycin, Cefaclor, Ceftibuten, Cefpodoxim, Sulfonamiden, aber auch von Azol-Antimykotika wie Itraconazol und Ketoconazol nach oraler Anwendung.

Auch auf die Distribution können sich verändernde körperliche Merkmale Einfluss nehmen. Generell reduzieren sich bei älteren Menschen die Magermasse und der Gesamtwasseranteil, während der Fettgehalt steigt. Für lipophile Wirkstoffe wie Fluorchinolone, Makrolide und Rifampicin steigt dadurch das Verteilungsvolumen. Bei einer Hypoalbuminämie, die im Alter häufig vorkommt, kann der Anteil freier Wirkstoffe erhöht sein. Das betrifft insbesondere saure Substanzen wie Penicilline, Ceftriaxon, Sulfonamide und Clindamycin.

Für den Metabolismus von Arzneistoffen spielt häufig die Leberfunktion eine entscheidende Rolle. Ist sie reduziert, kann etwa das Prodrug Metronidazol weniger gut aktiviert werden. Die Elimination schließlich hängt oft von der Nierenfunktion ab. Sinkt die glomeruläre Filtrationsrate, verlängert sich die Eliminationshalbwertszeit renaler Antibiotika wie Aminopenicilline, Aminoglykoside, Chloramphenicol, Gyrasehemmer, Tetracycline und Vancomycin.

Den Einzelfall betrachten

Hübner weist darauf hin, dass die aufgeführten Veränderungen nicht zwangsläufig bei jedem älteren Menschen vorliegen. Ob die Wirkung eines Antiinfektivums durch die körperlichen Voraussetzungen des Patienten beeinflusst wird, hänge wahrscheinlich eher von dessen Gebrechlichkeit ab als vom Alter an sich. Es sei jedoch wichtig, sich der Möglichkeit bewusst zu sein, um gegebenenfalls reagieren zu können, falls eine erwünschte Wirkung ausbleibt oder eine unerwünschte Wirkung auftritt.

Der Autor bemängelt, dass es zur Antibiotika-Anwendung bei älteren Menschen zu wenig Daten gibt, weil Studien zur Pharmakokinetik nach wie vor überwiegend an Erwachsenen mittleren Alters durchgeführt werden. Ältere seien aber besonders häufig von Infektionen betroffen, weshalb diese Arzneistoffe bei ihnen häufiger eingesetzt werden als bei jüngeren Menschen. Hinzu kommt ein hohes Interaktionspotenzial (Tabelle), da viele Senioren von Polypharmazie betroffen sind. Für eine optimale Antibiotika-Behandlung bedarf es daher einer Einzelfallbetrachtung unter Berücksichtigung der geschilderten Besonderheiten.

Wirkstoffe/Gruppen Interaktion Betroffene Antiinfektiva (Beispiele)
Protonenpumpeninhibitoren (PPI) Reduzierte Magensäure, erhöhter pH-Wert im Magen Azithromycin, Erythromycin, Cefaclor, Ceftibuten, Itraconazol, Ketoconazol, Sulfonamide, Dapson, Pyrimethamin, Atazanavir
Fentanyl, Losartan, Omeprazol, Nifedipin, Metoprolol, Timolol, Amidodaron, Citalopram, Carbamazepin, Topiramat Substanzabhängige Kompetition, Inhibition oder Induktion um/von CYP-Enzymen Makrolide, Fluorchinolone, Azole, antiretrovirale Wirkstoffe, Rifampicin, Isoniazid
Tabelle: Beispiele für Medikamente, die häufig bei älteren Menschen verschrieben werden und die mit Antiinfektiva interagieren; Quelle: »Bundesgesundheitsblatt«, DOI: 10.1007/s00103-026-04233-7
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