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Antibiotika
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Richtige Dosierung kann bei Älteren tricky sein

Im Alter verändern sich diverse Parameter, die einen Einfluss auf die Pharmakokinetik haben. Medikamentendosen, die für Erwachsene mittleren Alters passen, können dann zu hoch oder zu gering sein. Bei Antibiotika kann dadurch die Gefahr von Resistenzen steigen.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 06.05.2026  14:00 Uhr
Richtige Dosierung kann bei Älteren tricky sein

Resistenzen gegen Antibiotika sind ein Dauerbrenner-Thema der öffentlichen Gesundheit mit vielen Aspekten. Einige davon werden in der aktuellen Ausgabe des »Bundesgesundheitsblatts« behandelt. So widmet sich Professor Dr. Nils-Olaf Hübner, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin mit Zentralbereich Hygiene an der Universitätsmedizin Greifswald, den Besonderheiten der Antibiotika-Anwendung unter anderem bei älteren Menschen (DOI: 10.1007/s00103-026-04233-7).

Wichtige Größen im Zusammenhang mit Antibiotika beziehungsweise Antiinfektiva sind die minimale Hemmkonzentration (MHC), die Spitzenkonzentration (Cmax) und die Gesamtexposition (Area-under-the-Curve, AUC). Bestimmt werden diese von der Pharmakokinetik (PK), also Resorption, Distribution, Metabolisierung und Exkretion, sowie der Pharmakodynamik (PD), also den biochemischen und physiologischen Wirkungen des jeweiligen Arzneistoffs im Körper.

PK und PD lassen sich ins Verhältnis setzen, wodurch man sogenannte PK/PD-Indices erhält. Wie Hübner ausführt, sind vor allem drei PK/PD-Indices relevant:

  1. die Zeit, in der die Konzentration des Antibiotikums über der MHK liegt (T >MHK),
  2. die Spitzenkonzentration des Antibiotikums im Vergleich zur MHK (C max > MHK) und
  3. die Summe der Exposition innerhalb von 24 Stunden oberhalb der MHK (AUC/MHK).

Postantibiotischer Effekt

Für die Aktivität der verschiedenen Antibiotika-Klassen sind jeweils unterschiedliche PK/PD-Indices ausschlaggebend. Aminoglykoside, das Polymyxin Colistin und Metronidazol haben beispielsweise einen ausgeprägten postantibiotischen Effekt, was bedeutet, dass ihre Hemmwirkung auch nach dem Abfall unter die MHK noch anhält. Ihre Wirkung lässt sich daher am ehesten über die PK/PD-Indices  Cmax> MHK und AUC/MHK beschreiben.

Dagegen ist die postantibiotische Aktivität von β-Lactam-Antibiotika wie Penicillinen, Cephalosporinen, Carbapenemen und Monobactamen gering. Ihre Wirksamkeit hängt daher vor allem von der Zeit ab, während der ihre Konzentration oberhalb der MHK liegt (T > MHK). Bei Tetracyclinen, Tigecyclin, Makroliden, Azithromycin, Linezolid, Trimethoprim, Sulfonamiden und Vancomycin ist wiederum eine deutliche postantibiotische Aktivität vorhanden, aber ihre Wirkung hängt weniger von Cmax>MHK als vielmehr von AUC/MHK ab.

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