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Studie

Rheuma-Medikamente wirken schlechter bei Übergewicht

Bei starkem Übergewicht schlagen Medikamente gegen rheumatoide Arthritis nicht so gut an. Das gilt auch für einige Biologika, wie eine neue Analyse deutscher Patientendaten zeigt – aber nicht für alle.
Daniela Hüttemann
22.11.2019
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»Bei adipösen Patienten gelingt es häufiger nur eingeschränkt, die Symptome zu lindern«, erklärt Erstautor Dr. Martin Schäfer vom Programmbereich Epidemiologie des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ) in Berlin. Er und seine Kollegen werteten Daten des sogenannten RABBIT-Registers (»Rheumatoide Arthritis – Beobachtung der Biologikatherapie«) aus. Darin sind mittlerweile Angaben von mehr als 10.000 Patienten mit rheumatoider Arthritis in Deutschland erfasst, die mit Biologika behandelt wurden.

In der Analyse zeigte sich, dass TNFα-Blocker und der Interleukin-6-Hemmer Tocilizumab (RoActemra®) bei übergewichtigen Patienten nur eingeschränkt wirken, berichten die Forscher im Fachjournal »Rheumatology«. Bei den stark adipösen Rheumatikern habe sich der sogenannte DAS28-Score, der Schmerz und Schwellung an 28 Gelenken erfasst sowie den Grad der Entzündungswerte im Blut misst, weniger verbessert als bei normal  und gering übergewichtigen Patienten.

»Besonders deutlich zeigte sich der Einfluss des Übergewichts auf die Wirkung bei Biologika, die gezielt einzelne Botenstoffe hemmen sowie bei konventionellen synthetischen Wirkstoffen wie Methotrexat«, teilt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) mit Bezug auf die Studie mit. »Weniger starke Effekte des Übergewichts auf die Wirksamkeit zeigten sich bei den Substanzen Rituximab und Abatacept, deren Wirkung auf Interaktionen in der Zellebene beruht.«

Frauen stärker betroffen als Männer

Auch das Geschlecht scheint eine Rolle zu spielen: Bei Frauen war im Vergleich zu Männern der Effekt der Adipositas auf die Wirksamkeit der eingesetzten Medikamente deutlich stärker. »Jedes Kilo weniger auf der Waage wirkt sich günstig auf die Erkrankung und den Behandlungserfolg aus«, betont Studienleiterin Dr. Anja Strangfeld. Wichtig sei dabei, dass das Fettgewebe im Bauchraum verringert werde.

Die Forscher vermuten, dass proinflammatorische Botenstoffe aus den überflüssigen Fettzellen für die schlechtere Wirkung der Biologika verantwortlich sind. Zu diesen zählen unter anderem der Tumornekrosefaktor und Interleukin 6, zwei Zytokine, die eben auch bei rheumatoider Arthritis an den Angriffen auf die Gelenke beteiligt. »Möglicherweise ist dies die Ursache dafür, dass fettleibige Menschen häufiger an Rheuma leiden und die Erkrankung bei ihnen schwerer verläuft«, vermuten die Experten. Menschen mit starkem Übergewicht erkranken häufiger an rheumatoider Arthritis und haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung.

»Jede Erkenntnis, die wir durch RABBIT gewinnen können, ist wichtig und entscheidend für die Versorgung von Menschen mit Rheuma in Deutschland«, ergänzt Professor Dr. Hendrik Schulze-Koops, Präsident der DGRh. Die Daten aus RABBIT zeigten, dass die Behandlung von Rheuma individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sein muss. Die richtige Diagnose und die geeignete Therapie könnten nur Rheumatologen mit der entsprechenden Ausbildung stellen. Die Fachgesellschaft appelliert an Politik, Gesundheitswesen und Universitäten, »die notwendigen Strukturen für eine Rheumatologie zu schaffen, die den Versorgungsbedarf in Deutschland decken kann«.

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