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Rheuma-Patienten

Hochdosis-Glucocorticoide als Covid-Risikofaktor

Eine gute medikamentöse Kontrolle einer rheumatischen Grunderkrankung senkt das Risiko der Betroffenen für eine schwere Covid-19-Erkrankung. Dabei sollten Glucocorticoide in geringstmöglicher Dosis eingesetzt werden und gegebenenfalls mehr Biologika.
Christiane Berg
26.01.2021  14:00 Uhr

Bei Rheuma-Patienten mit einer Covid-19-Infektion sollten Glucocorticoide in der geringstmöglichen Dosis verabreicht werden. Das hat die erste wissenschaftliche Auswertung des deutschen Online-Registers Covid-19-Rheuma zur Dokumentation von Covid-19-Krankheitsverläufen bei Rheuma-Patienten ergeben, die nun in der Fachzeitschrift »RMD Open – Rheumatic & Muskulosceletal Diseases« erschienen ist. Das Register hatte die Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) gemeinsam mit Experten der Universität Gießen kurz nach Beginn der Coronavirus-Pandemie ins Leben gerufen.

Die Autoren räumen ein, dass die Interpretation des Einflusses der Glucocorticoid-Behandlung von Rheuma-Patienten auf den Krankenhausaufenthalt bei Covid 19-Infektionen zunächst noch mit Vorsicht zu genießen sei. Auch sollten die nunmehr vorgestellten Erkenntnisse nicht dazu anregen, eine Glucocorticoid-Therapie etwa gänzlich zu beenden. Doch sollten diese in geringstmöglichen Dosis verabreicht werden, da der Auswertung gemäß eine Dosis von > 5 mg/Tag mit einem um den Faktor 3,67 erhöhten Hospitalisierungs-Risiko verbunden ist. Zudem zeigten Rheuma-Patienten mit moderater bis hoher aktueller Krankheitsaktivität ein fast doppelt so hohes Hospitalisierungsrisiko wie Personen mit niedriger Rheuma-Aktivität.

Die Auswertung der Registerdaten zeigte zudem eine positive Wirkung insbesondere biologischer krankheitsmodifizierender Antirheumatika (bDMARDs) wie Adalimumab, Etanercept, Golimumab, Infliximab oder Abatacept auf die Entwicklung der Morbidität und Mortalität bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) und schweren Covid-19-Infektionen

Rheuma-Aktivität unter Kontrolle bekommen

Aus den Registerdaten ließe sich die dringende Empfehlung ableiten, während der Pandemie auf eine möglichst gute medikamentöse Kontrolle der rheumatischen Grunderkrankung zu achten. Wo immer möglich solle auf die dauerhafte Gabe höher dosierter Glucocorticoide verzichtet werden. »Hier kommt der Behandlung mit Biologika eine wichtige Rolle zu«, sagte Professor Dr. Christof Specker, Rheumatologe an den Kliniken Essen-Mitte und Leiter der Ad-hoc-Kommission Covid-19-Register der DGRh. Mit ihnen lasse sich die Krankheitsaktivität wirksam kontrollieren und zugleich die Glucocorticoid-Dosis senken.

»Der Zusammenhang zwischen einer erhöhten entzündlich-rheumatischen Krankheitsaktivität und einem schweren Covid-19-Verlauf ist hier zum ersten Mal dokumentiert«, resümiert Specker. Im Rahmen des Covid-19-Registers wurden vom 30. März bis 1. November 2020 Daten von 468 Patienten mit entzündlichen rheumatischen und Muskel-Skelett-Erkrankungen (RMD) sowie einer SARS-CoV-2-Infektion erfasst. Von diesen Patienten mussten 136 hospitalisiert werden, 26 benötigten eine Beatmung, 19 Patienten starben.

Die Analyse zeigte zudem, dass über-65-Jährige Rheumapatienten ein 2,24-mal erhöhtes, Über-75-Jährige sogar ein fast viermal so hohes Hospitalisierungsrisiko hatten wie jüngere Rheumatiker. Zudem gingen Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, interstitielle beziehungsweise chronisch obstruktive Lungenerkrankung und chronische Nierenerkrankungen mit einem höheren Risiko für einen Krankenhausaufenthalt aufgrund eines schweren Covid-19-Infektionsverlaufs einher.

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