| Alexandra Amanatidou |
| 10.07.2026 09:00 Uhr |
Dies war auch ein zentraler Punkt von Almut Nolte, der stellvertretenden Befehlshaberin und Stabschefin des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr. In ihrer Rede betonte sie, wie wichtig der Dialog sei und dass dieser intensiviert werden solle. »Viele der Herausforderungen, vor denen wir stehen, können wir nur gemeinsam bewältigen«, so ihr Fazit. Da Bundeswehr und Zivilbevölkerung auf die gleichen Lieferketten für Medikamente zurückgreifen, beeinflusst jede Schwächung des Systems und der Lieferketten auch die Bundeswehr.
Eine resiliente Arzneimittelversorgung sei im Fall einer Krise von zentraler Bedeutung, da sie nicht nur die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung stärke, sondern auch die Einsetzbarkeit der Kräfte beeinflusse. Sie warnte dabei vor einer extremen Konzentration der Produktion auf wenige Hersteller und vor der Abhängigkeit von Asien bei der Antibiotika-Produktion. Deutschland sei aufgrund seiner zentralen Lage prädestiniert, ein Knotenpunkt für Europa im Fall einer Krise zu sein, was aber auch eine Stärke sein könne.
Auch Grit Müller, Geschäftsführerin und Site Head von Salutas Pharma (Sandoz), hielt eine kurze Rede. Sie fragte, wie viel uns in Europa eine strategische Unabhängigkeit wert sei. »Es wird immer mehr kosten als die Medikamente, die wir heute in der Apotheke finden«, warnte sie. Deutschland habe akzeptiert, dass ein großer Teil der Produktion im Ausland stattfinde, da dies günstiger sei. Zwar gebe es durch Rabattverträge Einsparungen, die generische Industrie würde dennoch darunter leiden, da der Markt unattraktiv werde und die Zahl der Anbieter sinke. Dabei seien Arzneimittel Teil »unserer kritischen Infrastruktur«.
Sie sprach außerdem von Innovationen im Pharmabereich. Diese seien kapitalintensiv und bräuchten Planungssicherheit. Sie betonte, dass die Industrie nicht allein die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen könne. »Versorgungssicherheit muss einen politischen Wert haben«, sagte sie. Zudem betonte sie, wie wichtig die Zusammenarbeit mit anderen EU-Ländern ist. »Versorgungssicherheit endet nicht an nationalen Grenzen, kein Mitgliedstaat wird das allein hinbekommen.«
Auch Bernd Klaubert, Oberstapotheker und Leitender Apotheker sowie Inspizient Wehrpharmazie der Bundeswehr, war vor Ort und beantwortete Fragen des Publikums. Unter anderem betonte er, dass die Unabhängigkeit Deutschlands im Arzneimittelbereich bereits bei den Grundstoffen scheitere. Er ging auch auf das Thema Blutspenden ein. Da 30 Prozent der Bevölkerung einen Eisenmangel hätten, würde Deutschland mehr Blutspenden benötigen, da nicht jede Spende verwendet werden könne. »Wir müssen die Mengen erhöhen, weil wir einen Puffer brauchen«, sagte er.