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Doc-Treff
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Rentner-Ärzte bieten medizinische Beratung an

Einige Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand bieten ehrenamtlich medizinische Beratung an – ohne Zeitdruck. »Doc-Treff« oder »Café Med« heißen die Angebote und sind stark gefragt. Den Ärztekammern sind sie jedoch ein Dorn im Auge.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 21.05.2026  09:30 Uhr

Verlässliche Einordnung 

Der Ärzteverband Marburger Bund begrüßt solche Initiativen. »In einem immer komplexer werdenden Gesundheitssystem ist der Bedarf an verlässlicher Einordnung groß«, sagt Andreas Hammerschmidt vom Landesverband Niedersachsen. Die erfahrenen Mediziner fungierten als »Lotsen«.

»Sie helfen Ratsuchenden, Befunde besser zu verstehen oder die Dringlichkeit von Beschwerden einzuschätzen.« Das stärke auch die Gesundheitskompetenz der Bürgerinnen und Bürger. Auch die Stadt Bremerhaven begrüßt die ehrenamtliche Initiative. Sie stellt die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung.

Kritik kommt von den Ärztekammern. Bettina Cibulski von der Bremer Vertretung sagt, angesichts des Ärztemangels in Bremerhaven würde jeder Mediziner in regulären Praxen benötigt. »Dass Parallelstrukturen hier unterstützen können, muss jedoch bezweifelt werden«, betont sie.

Zudem gelte auch für ehrenamtlich tätige Mediziner die Berufsordnung und damit die Pflicht zur Dokumentation und zum Besitz einer Berufshaftpflichtversicherung. »Die Ärztekammer Bremen überprüft derzeit, ob diese Voraussetzungen von den Ärztinnen und Ärzten im 'Doc-Treff' eingehalten werden«, so Cibulski.

Setting nicht geeignet

In Niedersachsen haben die Angebote bereits eine Ausnahmegenehmigung, wie Nico Gerdau von der Ärztekammer in Hannover sagt. Dennoch ist ihm das ehrenamtliche Engagement ein Dorn im Auge: »Therapie- und Behandlungsempfehlungen bedürfen regelhaft adäquater ärztlicher Diagnostik und Untersuchung – hier ist das Setting außerhalb einer Praxis, eines Medizinischen Versorgungszentrums oder eines Krankenhauses nicht geeignet.«

Das sehen nicht nur die ehrenamtlichen Mediziner anders, sondern auch der Bremerhavener, der an diesem Mittwoch das Gespräch mit Gunnar Wagner sucht. Der 45-Jährige leidet seit Jahren an Neurodermitis. Von dem Dermatologen erhofft er sich nützliche Informationen zur Ursache. Auch würde er gerne von der Cortisonbehandlung wegkommen. Zur Verstärkung hat er seine Mutter mitgebracht. »Vier Ohren hören mehr als zwei«, sagt sie. Aus Erfahrung weiß sie, wie es normalerweise in Praxen zugeht: »Die sind alle kurz angebunden.«

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