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Doc-Treff
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Rentner-Ärzte bieten medizinische Beratung an

Einige Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand bieten ehrenamtlich medizinische Beratung an – ohne Zeitdruck. »Doc-Treff« oder »Café Med« heißen die Angebote und sind stark gefragt. Den Ärztekammern sind sie jedoch ein Dorn im Auge.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 21.05.2026  09:30 Uhr
Rentner-Ärzte bieten medizinische Beratung an

Der Dermatologe Dr. Gunnar Wagner ist bereit für den ersten Patienten. Entspannt sitzt der Mediziner im Wintergarten des Seniorentreffpunkts Ernst-Barlach-Haus in Bremerhaven. In den nächsten zwei Stunden wird er mit sechs Hilfesuchenden sprechen – 20 Minuten pro Person. So viel Zeit hatte er nie für einen einzelnen Patienten als er noch Chefarzt an einer Klinik in Bremerhaven war. Jetzt ist der 71-Jährige im Ruhestand und hat den ehrenamtlichen »Doc Treff« initiiert.

Zweimal im Monat wird die Senioreneinrichtung am frühen Mittwochabend zur »medizinischen Informationsbörse«. So nennt Wagner das kostenlose Angebot. Einen Arztbesuch soll es nicht ersetzen. »Wir stellen keine Diagnosen, wir untersuchen und behandeln nicht«, unterstreicht der Mediziner. Es gehe darum, zuzuhören und fachlich fundiert Orientierung zu schaffen.

Zum Team gehören 20 Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen sowie zehn medizinische Fachkräfte, die alle nicht mehr im aktiven Dienst sind. »Die ärztliche Versorgungslage ist katastrophal in Bremerhaven«, sagt Wagner. Die vorhandenen Praxen seien überlastet, für Patientengespräche sei nur wenig Zeit da.

Befunde erklären

»In der Regel kommen zu uns Menschen mit chronischen Erkrankungen«, sagt Wagner. »Sie haben Fragen zu Ursachen und Therapiemöglichkeiten.« Die meisten bringen ihre Befunde und Arztbriefe mit zu »Doc-Treff«. Sie wollen genau erklärt bekommen, was der Inhalt für sie bedeutet. »Da besteht ein großes Bedürfnis«, betont der Dermatologe. »Ich bin eigentlich immer ausgelastet.«

Das geht auch den Akteuren im »Café Med.« im Bramscher Rathaus so. »Wir können uns jedem in aller Ruhe ausführlich widmen«, sagt der Dermatologe Dr. Peter Thiem, der das Projekt im Landkreis Osnabrück vor einem Jahr zusammen mit seiner Frau, ebenfalls Medizinerin, ins Leben gerufen hat. Es beteiligen sich insgesamt acht Ärzte im Ruhestand.

Das Medizinstudium sei das teuerste für den Staat, unterstreicht der 70-Jährige. »So haben wir die Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben«. Auch in anderen niedersächsischen Städten wie Hannover und Lüneburg finden bereits Sprechstunden statt oder sind Angebote in Planung.

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