| Johanna Hauser |
| 13.02.2026 09:30 Uhr |
Regelmäßige kurze Diäten können wie ein Reset wirken und die Symptome von Morbus Crohn lindern. / © Adobe Stock/sdecoret
Der Verlauf chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen kann durch Ernährung beeinflusst werden. Auch können Ernährungstherapien bei einem akuten Schub helfen, eine Remission zu erreichen. Wissenschaftler der Stanford University veröffentlichten kürzlich Daten im Fachjournal »Nature Medicine«, wonach zwei Drittel der Patienten mit Morbus Crohn auf eine pflanzenbasierte, fünftägige Diät ansprechen und dieser Effekt auch in Blut und Stuhl nachweisbar ist.
In einer randomisierten Studie verglich das Team um Dr. Chiraag Kulkarni und Touran Fardeen den Effekt einer fastenähnlichen Diät (FMD) gegenüber normaler Ernährung an 97 Teilnehmern mit leichtem bis mittelschwerem Morbus Crohn. Bei der FMD wird die Energiezufuhr an fünf aufeinanderfolgenden Tagen im Monat auf 700 bis 1100 Kalorien reduziert. Dies geschieht vor allem durch einen Verzicht auf tierische Produkte, Zucker, Reis und Getreideprodukte. Erlaubt sind hingegen Gemüsesuppen und -eintöpfe, Oliven, Grünkohl-Cracker und Nussriegel, ergänzt durch Vitamine, Mineralstoffe und Omega-3-Fettsäuren.
65 Teilnehmer ernährten sich FMD-gerecht und führten im Abstand von je 25 Tagen drei Zyklen der Kalorienreduktion durch. In den dazwischenliegenden Phasen ernährten sie sich normal. Die 32 Teilnehmer der Kontrollgruppe aßen wie gewohnt. Alle Teilnehmer durften – so vorhanden – ihre medizinische Standardtherapie fortsetzen. 26 Patienten in der FMD- und neun in der Kontrollgruppe wurden nicht medikamentös behandelt.
Der Erfolg der Diät wurde anhand des Morbus-Crohn-Aktivitätsindex (CDAI) bestimmt. Dieser reicht von 0 bis 1100 Punkten, wobei 0 bis 149 Punkte einer asymptomatischen Remission entsprechen und 150 bis 220 Punkte einer leicht bis mäßig aktiven Erkrankung. Zu Beginn der Intervention betrug der mediane CDAI in der FMD-Gruppe 196 Punkte und in der Kontrollgruppe 194,5 Punkte. Der primäre Endpunkt war ein Rückgang des CDAI um mindestens 70 Punkte oder das Erreichen von maximal 150 Punkten nach dem dritten fünftägigen Diätzyklus.
In der FMD-Gruppe erreichten 45 Probanden (69,2 Prozent) eine Verbesserung um mindestens 70 Punkte und 42 Teilnehmer (64,6 Prozent) eine klinische Remission, also einen CDAI ≤ 150 Punkte. In der Kontrollgruppe erreichten 14 beziehungsweise 12 Probanden diese Werte, dies entspricht 43,8 beziehungsweise 37,5 Prozent. Für beide Endpunkte war der Unterschied zwischen den Gruppen statistisch signifikant.
Besonders ausgeprägt zeigte sich der Effekt der Diät bei Patienten, die keine medikamentöse Therapie erhielten: Von diesen erreichten in der FMD-Gruppe 76,9 Prozent eine klinische Remission, in der Kontrollgruppe lediglich 33,3 Prozent.
In Stuhl- und Blutuntersuchungen konnten die Forscher den Rückgang der Entzündungsaktivität bestätigen: Der Wert des C-reaktiven Protein (CRP) fiel um 15,7 Prozent, der des fäkalen Calprotectins um 36,5 Prozent. Beides sind Marker für ein Entzündungsgeschehen im Körper. CRP ist im Blut nachweisbar und bei akuten Entzündungsprozessen erhöht, Calprotectin zeigt Entzündungen der Darmschleimhaut an. In der Kontrollgruppe stiegen beide Werte (plus 36,9 beziehungsweise 8,9 Prozent).
Nach einer Auswaschphase von drei Monaten waren die positiven Effekte jedoch nicht mehr vorhanden. Dies deutet darauf hin, dass die FMD-Zyklen über eine längere Zeit, wenn nicht gar dauerhaft, fortgesetzt werden müssten, um den klinischen Nutzen für Patienten mit Morbus Crohn aufrechtzuerhalten. Dies dürfte Betroffenen schwerfallen.
Dennoch zieht das Team ein positives Fazit. Die FMD konnte bereits nach einem Zyklus die Symptome bei 66 Prozent der Teilnehmer verbessern. Auch war die Adhärenz gut, was unter anderem darauf zurückgeführt wird, dass die Maßnahme gut in den Alltag integrierbar und die Ernährungsbeschränkung nur von kurzer Dauer ist.
Allerdings hatten zwei Drittel der Probanden nur milde Krankheitssymptome und der CDAI wurde teils auf Basis der Einschätzung der Patienten erfasst. Obwohl daher weitergehende Forschung erforderlich ist, sehen die Wissenschaftler die FMD als eine vielversprechende Ergänzung zur pharmakologischen Therapie bei Morbus Crohn.