Gedankenkarussell: Grübeln hält viele davon ab, den Moment zu genießen. Aber unser Kopf braucht auch mal eine Pause. / © Adobe Stock/Wayhome Studio
Sich abends im Bett wälzen und nicht einschlafen können, weil man dieses eine Gespräch vom Vortag wieder und wieder durchgeht: »Wie hat die Person das nur gemeint? Und hätte ich nicht lieber so oder so reagieren sollen?« Vielleicht bereitet der Kopf sogar schon in akribischen Gedankenschleifen den nächsten Tag vor.
Ein klassischer Fall von Overthinking: »Wir denken zu viel nach«, so Ramón Schlemmbach, Psychologe und Coach aus Schwerin. Und zwar über vergangene Situationen, die wir ohnehin nicht mehr lösen können. Oder Zukunftsszenarien, die wir zwar theoretisch durch Handeln beeinflussen können, praktisch durch übermäßiges Grübeln aber nur vor uns herschieben.
In der Regel betrifft Overthinking also Vergangenes oder Zukünftiges. »Es gibt aber auch Menschen, die sind zum Beispiel auf einem Date und denken dann immerzu: »Oh Gott, sitzt mein Haar in Ordnung? Und habe ich das jetzt richtig gesagt?«, so Schlemmbach. Was alle Varianten des Grübelns vereint: Sind wir zu sehr im Kopf, sind wir nicht wirklich präsent. »Ich kann den Moment nicht genießen.«
Manche Menschen neigen mehr zum Overthinking als andere. Im Grunde sei das eine Bewältigungsstrategie, um mit bestimmten Kindheitsprägungen fertigzuwerden, erklärt Schlemmbach. »Häufig machen Menschen sich über alles Sorgen, weil sie das Problem haben, dass sie sich grundsätzlich nicht in Ordnung fühlen.« Sie haben eine Unzulänglichkeitsprägung.
Diese Menschen grübeln dann vor allem über die Zukunft, weil sie Angst haben, Fehler zu machen. »Wenn jemand verinnerlicht hat: Ich bin in Ordnung, ob ich das nun perfekt mache oder nicht – solche Leute haben das Overthinking-Problem in der Regel nicht«, so der Psychologe.
Ein anderer Fall: Menschen mit der sogenannten Unterwerfungsprägung passen sich übermäßig an und haben Schwierigkeiten damit, Grenzen zu setzen. Etwa, weil sie in der Kindheit oft bestraft worden sind.
Diese Menschen haben Schlemmbach zufolge die Tendenz, nach bestimmten Situationen in Grübelschleifen zu versinken, weil sie sich eigentlich lieber anders verhalten hätten. Typische Gedanken dann: »Ich hätte den Mund aufmachen sollen« oder »Ich hätte Nein sagen sollen«.