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Seltene Erkrankungen

Rare Disease Day: Pandemie verschärft Leid von Betroffenen

Zum Tag der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar haben Selbsthilfeorganisationen auf die Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, die die Pandemie für Betroffene und ihre Angehörigen mit sich bringt. Den chronisch Kranken drohten Isolation und Einsamkeit.
Cornelia Dölger
28.02.2021  16:00 Uhr

Viele Betroffene harrten wegen der Corona-Pandemie seit Monaten zuhause aus, um ein chronisch krankes Familienmitglied zu schützen, sagte Geske Wehr, Vorsitzende der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE), einem Netzwerk von Selbsthilfeorganisationen. Schulen sowie Pflege- und Fördereinrichtungen seien geschlossen oder könnten wegen des hohen Risikos einer Ansteckung nicht besucht werden, was den Angehörigen viel abverlange, da sie die Pflege und Unterstützung der Kranken im Alleingang bewältigen müssten. Vielen chronisch Kranken drohten zudem Vereinsamung. »Betroffene bleiben zu Hause, abgeschottet, in der Isolation, die oft auch Einsamkeit bedeutet«, so Wehr in einer Mitteilung. »Sie sind unsichtbar.«

Auch das Bundesgesundheitsministerium machte zum »Rare Disease Day«, der alljährlich am letzten Tag im Februar weltweit mit zahlreichen Aktionen begangen wird, auf die Belange der Betroffenen aufmerksam. Demnach leiden in Deutschland rund vier Millionen Menschen an einer von über 6000 bekannten Seltenen Erkrankungen, etwa an Mukoviszidose oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS).

»Seltene Erkrankungen stellen Betroffene und ihre Familien vor große Herausforderungen“« betonte die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke, in einer Mitteilung. Bei der oftmals schwierigen Suche nach adäquaten Diagnose- und Therapiemöglichkeiten oder qualifizierten Ansprechpartnern böten die etwa 30 spezialisierten Zentren für Seltene Erkrankungen, aber auch Selbsthilfeorganisationen wichtige Anlaufpunkte.

Fünf von 10.000 EU-Bürgern

Laut ACHSE sind weltweit 300 Millionen Menschen von einer Seltenen Erkrankung betroffen. In Europa gilt eine Erkrankung demnach als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen das spezifische Krankheitsbild aufweisen. Weil nur vergleichsweise wenige Menschen betroffen sind, gab es für die Pharmaindustrie zunächst wenig Anreize, in die entsprechende Forschung zu investieren; der Markt für die Präparate ist klein und für die Hersteller unter normalen Marktbedingungen zunächst wenig attraktiv. Deshalb wurde schon vor mehr als 20 Jahren eine entsprechende EU-Verordnung über Arzneimittel für seltene Erkrankungen verabschiedet (EG/141/2000), die den Unternehmen wirtschaftliche Anreize bieten soll, damit diese in die Forschung und Entwicklung von Orphan Drugs zur Behandlung seltener Krankheiten investieren.

Die Verordnung regelt unter anderem, welche Kriterien ein Arzneimittel erfüllen muss, um den Orphan-Drug-Status zu erhalten. Von diesem kann das Unternehmen profitieren, beispielsweise bekommt es für das Präparat eine befristete Marktexklusivität, niedrigere Zulassungsgebühren oder bevorzugten Zugang zu Förderprogrammen. Zudem gilt für Orphan Drugs der Zusatznutzen bereits durch die Zulassung als belegt; alle anderen Arzneimittel mit neuem Wirkstoff müssen die übliche frühe Nutzenbewertung durchlaufen.

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