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PROTAC
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Proteine gezielt abbauen

Proteolysis Targeting Chimeras (PROTAC) sind eine neue Klasse von Arzneistoffen, die Zielproteine gezielt intrazellulär abbauen lassen. Mit Vepdegestrant steht der erste zugelassene Wirkstoff in den USA zur Verfügung. Ein vielversprechender Anfang.
Datum 09.08.2026  08:00 Uhr

PROTAC gehören in die wachsende Gruppe der Nähe induzierenden Arzneistoffe (proximity inducing drugs). Es ist eine ganz neue Klasse von Wirkstoffen, die ihre Zielproteine nicht wie klassische Arzneimittel in ihrer Funktion blockieren, sondern mit Ubiquitin markieren und dadurch deren gezielten Abbau einleiten. Der erste, in den USA zugelassene Arzneistoff – Vepdegestrant – ist ein Meilenstein für ein Konzept, das vor 25 Jahren als akademisches Gedankenexperiment begann.

Der Begriff PROTAC steht für PROteolysis TArgeting Chimera. Die Bezeichnung »Chimera« entstammt der griechischen Mythologie: Die Chimäre war ein Mischwesen aus verschiedenen Tieren. Übertragen auf die Pharmakologie bezeichnet der Begriff ein kleines Molekül, das aus zwei verschiedenen Bindungsmodulen besteht – ähnlich wie ein molekularer Doppelkopf, der gleichzeitig zwei völlig unterschiedliche Proteine binden kann. Ein heterobifunktionales PROTAC besteht aus drei Teilen (Abbildung 1, oben):

  • einem ersten Liganden, der an das Zielprotein bindet, der sogenannte Warhead,
  • einem zweiten Liganden, der an die zelleigene »Ettiketiermaschine« E3-Ubiquitin-Ligase bindet, und
  • einem Linker, der die beiden Liganden kovalent miteinander verbindet.

Wie funktioniert das Ubiquitin-Proteasom-System?

PROTAC-Moleküle nutzen das zelleigene Entsorgungssystem für nicht mehr gebrauchte Proteine durch induzierte Nähe (induced proximity) zwischen dem abzubauenden Protein (POI: protein of interest) und der E3-Ligase, die durch Ubiquitinylierung den proteasomalen Abbau des POI in Gang setzt. Alle PROTAC bauen das Zielprotein also nicht selbst ab, sondern setzen den Degradationsprozess in Gang, weshalb ein einziges Molekül mehrere Zielproteine nacheinander abbauen kann.

Zellen müssen beschädigte, falsch gefaltete oder nicht mehr benötigte Proteine kontinuierlich beseitigen. Diese Aufgabe übernimmt das Ubiquitin-Proteasom-System (UPS), das etwa 80 bis 90 Prozent des gesamten intrazellulären Proteinumsatzes bewältigt. Das Proteasom ist quasi ein intrazellulärer »Schredder«. Das Prinzip: Proteine werden durch Anhängen mehrerer Ubiquitin-Moleküle wie mit einem Entsorgungsetikett markiert, damit der »Schredder« sie erkennt.

Ubiquitin ist ein Peptid mit 76 Aminosäuren, das eine Affinität zu den Proteasomen in den Zellen hat, die ihrerseits mit Ubiquitin-Einheiten markierte Proteine abbauen. Die Markierung durch Ubiquitin erfolgt durch eine Enzymkaskade.

  • E1 (Ubiquitin-aktivierendes Enzym) aktiviert Ubiquitin unter ATP-Verbrauch.
  • E2 (Ubiquitin-konjugierendes Enzym) übernimmt das aktivierte Ubiquitin von E1.
  • E3-Ubiquitin-Ligase ist der entscheidende Spezifitätsfaktor. E3 erkennt das abzubauende Protein und überträgt Ubiquitin auf dieses. Es gibt mehr als 600 verschiedene E3-Ligasen im menschlichen Proteom. Diese entscheiden, welches Protein wann abgebaut wird.

Sind genügend Ubiquitin-Moleküle angehängt (Polyubiquitinkette), erkennt das Proteasom das markierte Protein, zerlegt es in kleine Peptide und setzt Ubiquitin wieder frei.

Ein PROTAC nutzt dieses System, indem er eine E3-Ligase gezielt an ein Protein heranführt, das abgebaut werden soll (Abbildung 1).

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