| Brigitte M. Gensthaler |
| 09.07.2026 07:00 Uhr |
Da die Anti-TB-Kombitherapie hepatotoxisch wirken kann, sind die Leberfunktionswerte regelmäßig zu überwachen. Die Patienten sollten Alkohol und hepatotoxische Arzneimittel meiden.
Ein anderer Warnhinweis betrifft die Verlängerung des QTc-Intervalls. Vor Beginn und während der Kombitherapie sollte mindestens einmal monatlich ein EKG aufgezeichnet werden. Die Kalium-, Calcium- und Magnesiumwerte im Serum sollten zu Beginn der Behandlung erfasst und gegebenenfalls korrigiert werden.
Es kann eine Dosisanpassung oder Unterbrechung der Gabe von Linezolid erforderlich sein, um die bekannten Toxizitäten des Antibiotikums zu behandeln. Dazu zählen Myelosuppression, periphere Neuropathie, Optikusneuropathie sowie Laktatazidose.
Auf pharmakokinetischer Ebene sind zahlreiche Wechselwirkungen möglich, da Pretomanid zum Teil durch CYP3A4 metabolisiert wird, ein Induktor von CYP2C8 ist und in vitro das Transportprotein OAT3 hemmt. Um eine verminderte therapeutische Wirkung von Pretomanid infolge einer verringerten systemischen Exposition zu vermeiden, sollte die gleichzeitige Anwendung mit mäßigen oder starken CYP3A4-Induktoren vermieden werden.
Schwangere Frauen sollen nur dann Pretomanid erhalten, wenn der Nutzen für die Patientin das mögliche Risiko für das ungeborene Kind überwiegt. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Pretomanid unterbrochen wird.
Der neue Wirkstoff Pretomanid ist dem schon länger zugelassenen Wirkstoff Delamanid sehr ähnlich. Beide sind Nitroimidazole und Prodrugs, beide hemmen die Synthese der Mykolsäuren, die für die Zellwand des Erregers essenziell sind, und beide setzen bei der Aktivierung unter anaeroben Bedingungen reaktive Stickstoffspezies frei.
Dennoch kann Pretomanid als Schrittinnovation gesehen werden, und die Markteinführung ist sehr zu begrüßen. Denn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt bereits seit dem Jahr 2022 zur Behandlung der multiresistenten oder Rifampicin-resistenten Tuberkulose (MDR/RR-TB) eine auf sechs Monate verkürzte Kombinationstherapie mit Bedaquilin, Pretomanid, Linezolid und – je nach Resistenzlage – Moxifloxacin.
Erst in diesem Jahr wurde nun aber die Indikation von Pretomanid von der EU-Kommission auf diese Therapiesituation ausgeweitet. Das heißt, jahrelang musste Pretomanid in der EU off-label eingesetzt werden, wenn Ärzte MDR/RR-TB leitliniengerecht behandeln wollten. In einem offenen Brief hatten auch zahlreiche Tuberkulose-Experten die Ausweitung der Zulassung von Pretomanid dringend gefordert. Nun ist es also so weit. Hierzulande ist der Wirkstoff gar erstmals im Handel. Die Erweiterung der Zulassung von Pretomanid und die Markteinführung können nun sicherstellen, dass mehr Patienten von einer kürzeren, sichereren und wirksameren Tuberkulosebehandlung profitieren.
Sven Siebenand, Chefredakteur