| Brigitte M. Gensthaler |
| 09.07.2026 07:00 Uhr |
In der gesamten Europäischen Region der WHO (inklusive Russland) erkrankten 2024 schätzungsweise rund 204.000 Menschen an Tuberkulose, was einer Inzidenz von 22 Fällen pro 100.000 Einwohner entspricht. Der Anteil an medikamentenresistenten TB-Fällen ist hoch. / © Adobe Stock/Anastasiia
Pretomanid ist zugelassen in Kombination mit den Wirkstoffen Bedaquilin, Linezolid und Moxifloxacin (BPaLM) zur Behandlung von Erwachsenen mit pulmonaler Tuberkulose (TB) durch Mycobacterium tuberculosis mit Resistenz gegen Rifampicin, mit oder ohne Resistenz gegen Isoniazid. Zudem darf die Dreierkombi Bedaquilin, Pretomanid und Linezolid (BPaL) bei Erwachsenen mit pulmonaler TB durch M. tuberculosis mit Resistenz gegen Rifampicin und ein Fluorchinolon, mit oder ohne Resistenz gegen Isoniazid, zum Einsatz kommen. In diesem Fall ist Moxifloxacin nicht indiziert.
Die Zulassung ermögliche nun den leitliniengerechten Einsatz des BPaL/M-Regimes innerhalb des Labels, schreibt das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose. Dies sei eine große Erleichterung für die klinische Praxis, da die aufwendige Begründung eines Off-Label-Gebrauchs zur ambulanten Weiterführung der Therapie nach stationärer Entlassung nicht mehr notwendig sei.
Die Medikation sollte unter direkter Beobachtung der Einnahme (Directly Observed Therapy, DOT) oder entsprechend den örtlichen Gepflogenheiten verabreicht werden.
Die Therapie dauert 26 Wochen und kann auf 39 Wochen verlängert werden. Die empfohlene Dosierung beträgt 200 mg (eine Tablette) Pretomanid einmal täglich zu einer Mahlzeit. Es gibt keine Dosierungsangaben für ältere Personen oder Menschen mit Leber- oder Niereninsuffizienz. Jede versäumte Dosis der Kombitherapie mit Bedaquilin, Pretomanid oder Moxifloxacin sollte am Ende der Therapie nachgeholt werden. Linezolid-Dosen, die aufgrund von Linezolid-Nebenwirkungen ausgelassen wurden, werden nicht nachgeholt.
Pretomanid ist ein Reserveantibiotikum. Vermutlich hemmt es unter aeroben Bedingungen die Synthese von Zellwandlipiden und unter anaeroben Bedingungen die Bildung reaktiver Stickstoffspezies. Das Molekül muss in der Bakterienzelle durch eine mykobakterielle Nitroreduktase reduktiv aktiviert werden, damit es wirksam wird.
Dies ist eine Achillesferse des Wirkstoffs. Die intrazelluläre Aktivierung von Pretomanid ist abhängig von Enzymen, die durch fünf Gene codiert werden. Mutationen in einem dieser Gene wurden in vitro mit einer ausgeprägten Resistenz gegenüber Pretomanid in Verbindung gebracht. Allerdings gibt es mindestens einen weiteren Resistenzmechanismus.
Pretomanid zeigt keine Kreuzresistenz mit anderen Antituberkulose-Mitteln außer Delamanid.