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Großbritannien

Postvirales Covid-Syndrom bei Kindern häuft sich

Mit steigenden Covid-19-Fallzahlen treten auch vermehrt Komplikationen bei Kindern auf: In Großbritannien werden aktuell bis zu einhundert Kinder pro Woche mit dem Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) in Krankenhäuser eingeliefert.
Carolin Lang
17.02.2021  15:00 Uhr

Bereits während der frühen Phase der Coronavirus-Pandemie berichteten stark betroffene Länder vermehrt von seltenen, aber heftigen Entzündungsreaktionen bei Kindern, die in der Symptomatik dem Kawasaki-Syndrom ähneln. Inzwischen haben sich international zwei Begriffe für diese Hyperinflammation in Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion etabliert: Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) und Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C). Das Krankheitsbild kann etwa zwei bis vier Wochen nach der Infektion auftreten und letal verlaufen, sofern es nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird. In Großbritannien ist die Häufigkeit im Vergleich zur ersten Welle der Pandemie erheblich gestiegen, wie die britische Tageszeitung »The Guardian« kürzlich berichtete.

Aktuell würden demnach etwa einhundert Kinder wöchentlich aufgrund eines PIMS in britische Krankenhäuser eingeliefert. Im April letzten Jahren seien es noch etwa 30 Kinder pro Woche gewesen. Diese starke Zunahme sei jedoch vermutlich auf die höheren Fallzahlen zurückzuführen. Besonders auffällig sei: Etwa 75 Prozent der besonders stark betroffenen Kinder sei dunkelhäutig, asiatischer Herkunft oder einer ethnischen Minderheit zugehörig gewesen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC berichtet, dass in den USA bei etwa 70 Prozent der gemeldeten Fälle Kinder von hispano-/lateinamerikanischer Herkunft oder dunkelhäutige, nicht-hispano-amerikanische Kinder betroffen waren.

Warum manche Bevölkerungsgruppen stärker betroffen sind als andere, ist bisher noch nicht abschließend geklärt. »Die Genetik mag ein Faktor sein. Aber wir sind besorgt, dass es ein Spiegelbild dessen ist, dass dies eine Krankheit der Armut ist, die unverhältnismäßig diejenigen betrifft, die die Exposition aufgrund ihres Berufs, der Mehrgenerationenhaushalte und der beengten Wohnverhältnisse nicht vermeiden können«, äußerte sich Dr. Liz Whittaker vom Berufsverband der Kinderärzte in England, Irland, Schottland und Wales (RCPCH) gegenüber »The Guardian«. Der CDC nach seien »weitere Studien erforderlich, um zu erfahren, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen in größerer Zahl betroffen sind und welche Risikofaktoren zu diesem Phänomen beitragen können.«

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