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Apothekertag Niedersachsen
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Pharmazeutische Qualität ist kein Zufall

Das inzwischen 125-jährige Bestehen der Apothekerkammer wurde auch beim niedersächsischen Apothekertag gewürdigt. Den Teilnehmenden bot sich ein vielfältiges Programm – von philosophischen Perspektiven bis hin zu Impulsen für neue Leidenschaft im Beruf.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 13.05.2026  15:00 Uhr

Demokratie im Wandel

Die Keynote-Rednerin Thea Dorn, Philosophin, Schriftstellerin und TV-Moderatorin, nahm das Jubiläum zum Anlass, über Demokratie und Zuversicht nachzudenken. Es sei wichtig, sich klarzumachen, wie »unselbstverständlich« die Selbstverwaltung eigentlich sei. Im Fall der Apotheker liege der Ursprung in einer nicht sehr demokratischen Gesellschaft, dem Kaiserreich. Aber: »Da war ein Staat, der […] Ihrem Berufsstand zugetraut hat, dass er sich selbst verwalten kann«, so Dorn. »Die Apotheker damals haben sich das auch selber zugetraut« – und nicht nach dem regulierenden Staat gerufen.

Auch die Demokratie, in der wir heute leben, mit ihren individuellen Rechten, sei alles andere als selbstverständlich, betonte Dorn – und weltweit betrachtet immer noch die Ausnahme. Der Blick auf zurückliegende Demokratisierungsprozesse zeige: Der Impuls der Menschen, sich selbst zuzutrauen, die Belange in die Hand zu nehmen, sei zentral gewesen. Auch Tugenden spielten eine Rolle, das heißt, wie Bürger sich »benahmen« und dass sie eigene Bedürfnisse zurückstellten. Heute hätten viele Menschen, die lange in der modernen Demokratie lebten, die Wahrnehmung: Einmal etabliert, läuft alles ohne mein Zutun.

Aktuelle Herausforderungen bestünden etwa in der »gewaltigen technologischen Revolution«, der Digitalisierung, die Fragen nach Regulierung aufwerfe. Zu den Herausforderungen für Apotheken zählten etwa Online-Apotheken oder Künstliche Intelligenz, die die Beratungsfunktion übernimmt. Auch die zunehmend materialistische Lebensauffassung sowie dieTendenz, die Optimierung des eigenen Lebensglücks in den Fokus zu stellen, werfe die Frage auf: Wo bleibt da der Raum für Idealismus, bei dem der Einzelne bereit sei, Abstriche zu machen? Und die Kraft, Werte wie Freiheit und individuelle Würde zu verteidigen?

Die Tatsache, dass wichtige Technologien in Händen von Menschen lägen, bei denen Humanismus wahrscheinlich an untergeordneter Stelle stehe, werfe die Frage auf, was man stärken muss, damit wir uns nicht – aufgrund des Wunsches, möglichst angenehm, gesund und lange zu leben – zu »Untertanen irgendeiner Technokratie« machen, in der wir nicht viel mitzureden haben.

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