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Apothekertag Niedersachsen
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Pharmazeutische Qualität ist kein Zufall

Das inzwischen 125-jährige Bestehen der Apothekerkammer wurde auch beim niedersächsischen Apothekertag gewürdigt. Den Teilnehmenden bot sich ein vielfältiges Programm – von philosophischen Perspektiven bis hin zu Impulsen für neue Leidenschaft im Beruf.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 13.05.2026  15:00 Uhr

Zuversicht trainieren wie einen Muskel

Doch alle Analysen brächten nichts, wenn dadurch die Zuversicht verloren gehe, so die Philosophin. »Deshalb ist möglicherweise gerade für Demokratie die wichtigste Tugend, die man braucht – außer Selbstbeherrschung – der Versuch, sich um Mündigkeit wenigstens zu bemühen.« In unserer auf Evidenz ausgerichteten Gesellschaft werde dabei oft eine Faktengrundlage vorausgesetzt: »Wir brauchen Zahlen, bis wir uns mal Zuversicht leisten«. Als Beispiel nannte sie eine Krankheit mit schlechten Aussichten, bei der es aber Therapien gibt, die Hoffnung zulassen. Oder einen Flug, der trotz schlechter Wetterlage stattfinden kann, weil es verlässliche Systeme gibt.

Ob das aber wirklich Zuversicht sei, stellte die Philosophin zur Debatte. »Oder fängt Zuversicht da an, wo die Prognosen eben nicht mehr so richtig günstig sind?« Dieses Spannungsfeld beschreibe das Zitat des italienischen marxistischen Philosophen Antonio Gramsci: »Was es braucht, ist Pessimismus des Verstandes und Optimismus des Willens.«

Zuversicht bestehe eben nicht darin, den Kopf in den Sand zu stecken, sich auf Werte oder Daten zu berufen und daraus zu schließen, dass wohl alles gut wird, sondern festzustellen: Es sieht nüchtern betrachtet gerade nicht gut aus. Da beginne der Optimismus des Willens: »Jetzt ist der Moment, wo ich fast wie einen Muskel meine Zuversicht trainieren muss.«

Sicherheit durch Risiko

Um Veränderung ging es beim Vortrag von Andreas Gebhardt, Redner und staatlich geprüfter Artist – was er auf der Bühne beim Jonglieren bewies. Anhand seines eigenen Lebenslaufs stellte er dar, wie wichtig es ist, sich weiterzuentwickeln. Als Artist musste er immer wieder auf neue Herausforderungen reagieren, etwa stärkere Konkurrenz oder einen »knallharten« Preiswettbewerb. Um dem zu entgehen, musste er reagieren und entwickelte beispielsweise eine Show speziell für Auftritte auf Kreuzfahrtschiffen.

Dabei wurde ihm klar, dass Weiterentwicklung dann stattfinden muss, »wenn es einem noch halbwegs gut geht, wenn man noch verschiedene Optionen ausprobieren kann.« Das heißt: »Der beste Moment für Weiterentwicklung ist immer heute«, so Gebhardt. Als er das realisiert hatte, habe er parallel angefangen Wirtschaft zu studieren, was ihm schließlich die Möglichkeit eröffnet habe, als Redner zu arbeiten.

Dabei sei ihm auch klar geworden, dass Sicherheit vor allem eines brauche: ständige Weiterentwicklung. »Das ist ein Paradox: Je mehr Sicherheit man in seinem Leben und seinem Geschäft haben will, desto eher muss man neue Dinge ausprobieren und etwas riskieren.« Dabei sei der Blickwinkel auf das Ziel entscheidend: Es gehe nicht alles auf einmal, sondern nur Schritt für Schritt. Fehler und Irrtümer seien Teil des Weges und förderten das Wachstum sogar. 

Hilfreich ist ihm zufolge auch das Wissen, dass Menschen unterschiedlichen Risikotypen entsprechen, alle mit einer hilfreichen Perspektive: Er nannte den »Basejumper«, der Risiken eingeht und Neues voranbringt, den »Dauercamper«, der eher die Bewahrungsziele darstellt und das Wesentliche sichert, sowie den Beifahrer mit Vermeidungszielen, der Gefahren erkennt. Es sei wichtig, alle Beteiligten einzubeziehen und anzuhören.

»Die Frage ist, wo stehen Sie?«, regte Gebhardt zum Nachdenken an. »Und wo geht es in den nächsten zehn Jahren hin?« Gehe es darum, den Status quo zu verteidigen oder darum, neue Möglichkeiten zu suchen? »Ich möchte Sie dazu ermutigen, immer wieder einen Schritt zu machen – einen Schritt ins Unbekannte. Das Risiko von heute wird zu unserer Sicherheit von morgen.«

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