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Fallbericht

PEG als ein Anaphylaxie-Auslöser nach Covid-Impfung bestätigt

Nach Impfung mit der mRNA-Vakzine Comirnaty® von Biontech und Pfizer gegen Covid-19 können Anaphylaxien auftreten. Als Auslöser steht Polyethylenglykol (PEG) unter Verdacht. Das konnten britische Forscher nun in einem Fall bestätigen. Was bedeutet das für Allergiker?
Christina Hohmann-Jeddi
09.04.2021  11:00 Uhr

Schon am ersten Tag der Covid-Impfkampagne in Großbritannien traten zwei Fälle von Anaphylaxien innerhalb von Minuten nach Gabe des mRNA-Impfstoffs Tozinameran (Comirnaty®) von Biontech/Pfizer auf. Weitere Fälle folgten, was schließlich dazu führte, dass entsprechende Sicherheitsmaßnahmen beim Impfen getroffen und Sicherheitshinweise in die Fachinformationen aufgenommen wurden. Früh galt der Hilfsstoff Polyethylenglykol (PEG) als möglicher Auslöser der schweren allergischen Reaktionen. Bewiesen war das bislang aber nicht.

Nun zeigt die Untersuchung eines der ersten Fälle von Anaphylaxie nach Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer in Großbritannien, dass PEG tatsächlich die Anaphylaxie ausgelöst hatte. Das berichten Forschende um Dr. Priya Sellaturay von der Universität Cambridge im Fachjournal »Clinical & Experimental Allergy«. Das Team untersuchte eine 52-Jährige Frau, die nach der Impfung Husten entwickelte und ein Zuschnüren der Kehle empfand und dann bewusstlos wurde. Der Blutdruck war nicht mehr messbar, die Sauerstoffsättigung des Blutes sank auf 85 Prozent.

Die Frau erhielt zwei Dosen 0,5 mg Adrenalin intramuskulär, 200 mg Hydrocortison intravenös sowie 10 mg des Antihistaminikums Chlorphenamin sowie eine Flüssigkeits- und Sauerstoffzufuhr. In der Anamnese berichtete die Frau von verschiedenen allergischen Reaktionen etwa auf PEG-haltige Shampoos oder Mundspülungen sowie von einer Jahre zurückliegenden Anaphylaxie auf ein Arzneimittel und von einer allergischen Reaktion mit Urtikaria und verengten Atemwegen nach Einnahme von Azithromycin mit PEG 6000.

Pricktest mit Impfstoff und seinen Inhaltsstoffen gab Aufschluss

Um zu untersuchen, was die Anaphylaxie nach der Tozinameran-Gabe ausgelöst hatte, führten die Forscher um Sellaturay Pricktests mit unterschiedlichen Konzentrationen von PEG, verschiedenen Impfstoff-Bestandteilen (Cholesterol und 1,2-Distearoyl-sn-glycero-3-phosphocholin), dem Impfstoff Tozinameran sowie dem Astra-Zeneca-Impfstoff Vaxzevria® und dessen Hilfsstoff Polysorbat 80 durch.

Positiv fiel der Pricktest auf PEG 4000 ab einer Konzentration von 1 Prozent aus. Innerhalb von zwölf Minuten entwickelte die Patientin aufgrund des Pricktests eine weitere Anaphylaxie. Auf weitere Bestandteile von Tozinameran fiel der Pricktest negativ aus. Daraufhin diagnostizierte das Team eine PEG-Allergie als Auslöser der impfassoziierten Anaphylaxie. PEG 2000 ist Bestandteil der mRNA-Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna. Es wird benötigt, um die Lipidnanopartikel zu stabilisieren. Polysorbat 80, das ein Bestandteil der Astra-Zeneca-Vakzine ist, hat eine ähnliche chemische Struktur, was eine Kreuzreaktivität vermuten lässt. Die Pricktests auf Polysorbat 80 und die Astra-Zeneca-Vakzine fielen allerdings bei der Betroffenen negativ aus.

Der Fallbericht zeige zum ersten Mal, dass PEG ein Auslöser von Anaphylaxien nach Tozinameran-Gabe sein kann, schreibt das Team um Sellaturay. PEG-Allergien seien aber sehr selten und die Impfung daher sehr sicher. Es sei noch unklar, ob auch andere Bestandteile des Impfstoffs die schweren allergischen Reaktionen auslösen könnten, da bei drei weiteren Betroffenen Pricktests auf PEG negativ ausgefallen waren.

Undiagnostizierte PEG-Allergien könnten ein Risiko bei einer Impfung mit Covid-19-Impfstoffen darstellen und sollten vorher erkannt werden. Die Diagnose sei allerdings sehr schwierig, da sie sich häufig als multiple Arzneimittelallergie darstellt und Pricktests und intradermale Tests nur mit Vorsicht einzusetzen seien. Die Kreuzreaktivität mit Polysorbat 80, das sowohl in Vaxzevria als auch in dem zweiten zugelassenen Vektorimpfstoff gegen Covid-19 von Janssen enthalten ist, müsse noch weiter untersucht werden, fordern die Autoren. 

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