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Antitumortherapie
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Oral nicht gleich banal

Orale Tumortherapeutika müssen durch den Gastrointestinaltrakt. Das hat Vorteile, heißt aber auch, dass Nahrungsmittel einer sicheren Therapie in die Quere kommen können. Das ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt: Oral ist nicht banal.
AutorKontaktCarolin Lang
Datum 19.03.2024  16:00 Uhr

Großes Interaktionspotenzial

Bei etwa 50 Prozent der inzwischen mehr als 120 oralen Antitumortherapeutika (OAT) werde die Resorption durch die Nahrung beeinflusst, spezifizierte Professor Dr. Frank Dörje vom Universitätsklinikum Erlangen in seinem Vortrag mit Fokus auf die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). 20 Prozent hätten eine pH- abhängige Löslichkeit, insbesondere betreffe dies Kinase-Inhibitoren. Um die Bioverfügbarkeit nicht zu gefährden, sei eine Kombination mit Protonenpumpenhemmern daher nach Möglichkeit zu meiden, empfahl der Fachapotheker für Klinische Pharmazie und Arzneimittelinformation. Ein »Riesenthema« für die Beratung seien auch Arzneimittelwechselwirkungen, etwa CYP-vermittelt.

All das zeigt: Der Beratungsbedarf bei oraler Antitumortherapie ist hoch. Werden die Patienten engmaschig klinisch pharmazeutisch beziehungsweise pharmakologisch betreut, erhöht dies die AMTS merklich. Das legte Dörje anhand der Ergebnisse der AMBORA-Studie dar, die 2021 im »Journal of Clinical Oncology« publiziert wurden.

Betreuung bringt‘s

In diese multizentrische Versorgungsstudie waren 202 Patientinnen und Patienten mit Neueinstellung von OAT eingeschlossen, die randomisiert entweder einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt wurden. Die Interventionsgruppe erhielt über zwölf Wochen zusätzlich zur Routineversorgung eine intensivierte pharmazeutische Betreuung, die ein Medikamentenmanagement und eine strukturierte Patientenberatung umfasste. Primäre Endpunkte waren das Auftreten von arzneimittelbezogenen Problemen (ABP), konkret von ungelösten Medikationsfehlern und Nebenwirkungen mit Bezug zum OAT, sowie die Patientenzufriedenheit.

Die Ergebnisse waren »sehr« erfreulich, so Dörje. So konnte im betreuten Kollektiv das Auftreten von ABP »signifikant und klinisch relevant« um 34 Prozent gesenkt und die Zufriedenheit mit der Medikation um 26 Prozent erhöht werden. Das Risiko für einen kombinierten Endpunkt, der schwerwiegende Nebenwirkungen, ungeplante Hospitalisierung, Therapieabbrüche und Tod einschloss, war gegenüber der Kontrollgruppe um 52 Prozent reduziert.

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