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Apothekergenossenschaft

Noweda: Lieber Brinkhaus als Spahn

Am 16. Januar wählt die CDU ihren neuen Parteivorsitzenden, drei Christdemokraten haben sich um das Amt beworben – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gehört nicht dazu. Trotzdem kommentiert Ex-Noweda-Chef Wolfgang P. Kuck in der aktuellen Kundenzeitschrift »MyLife«, warum sich Spahn nicht als Parteichef eignen würde. Viel lieber würde er Ralph Brinkhaus, den Fraktionsvorsitzenden der Union, in dieser Position sehen.
Benjamin Rohrer
07.01.2021  14:30 Uhr

Die Noweda und Jens Spahn – eine dicke Freundschaft wird das nicht mehr. Erinnert sei an die Aktion des Pharmaziestudenten Benedikt Bühler, der lange für das Rx-Versandverbot trommelte, dabei von der Noweda unterstützt und schließlich von Spahn abgewiesen wurde. Wie unzufrieden die Apothekergenossenschaft mit dem Minister weiterhin ist, verrät ein kommentierender Beitrag des ehemaligen Noweda-Chefs Wolfgang P. Kuck im Apothekenkunden-Magazin »MyLife«, das vom »Zukunftspakt Apotheke« herausgegeben wird. Am Zukunftspakt sind unter anderem die Noweda und der Burda-Verlag beteiligt.

In Anlehnung an den Film »Bruce Allmächtig« trägt der Beitrag den Titel »Spahn Allmächtig« und kritisiert den Minister insbesondere für sein Vorgehen in der Coronavirus-Krise. Wolfgang P. Kuck, der Vater des aktuellen Noweda-Chefs Michael P. Kuck,  erinnert daran, wie mächtig das von Spahn geleitete Bundesgesundheitsministerium seit der Krise ist: Ohne Zustimmung des Bundestages könne Spahn beispielsweise die Organisation von Coronavirus-Tests festlegen, Meldepflichten bestimmen, Arzneimittel einkaufen und Ärzte »zwangsverpflichten«.

Harte Kritik wegen Zusammenarbeit mit Google

Aber die Apothekergenossenschaft stört sich auch an der sogenannten »Google-Affäre«. Konkret hatte der Minister vor einigen Wochen eine Zusammenarbeit mit dem US-Konzern begonnen. Internetnutzer in Deutschland, die nach Gesundheitsbegriffen suchen, werden auf Google seitdem priorisiert auf das vom BMG kontrollierte Gesundheitsportal verwiesen. Viele Verlage hatten sich über eine damit einhergehende mögliche Einschränkung der Pressefreiheit beschwert. Auch die Noweda findet, dass das Portal »ein Schlag ins Gesicht« aller seriösen Unternehmen und Verlage sei, die mit eigenem Geld Portale mit Gesundheitsinformationen aufgebaut haben. Die Genossenschaft weist auf die möglichen finanziellen Verluste hin, die für solche Verlage entstehen können: »Auch so können Unternehmen enteignet werden. Mit Hilfe eines Ministers, der sich in der Google-Affäre auf Nebenschauplätzen verliert.«

Ex-Noweda-Chef Kuck weist auch auf die Kosten hin, die durch das Portal verursacht und aus Steuergeldern finanziert werden und stellt sich diesbezüglich die Frage: »Haben wir dieses Geld angesichts hunderter Milliarden Euro, die uns die Corona-Pandemie aufbürdet?« Auch Andreas Arntzen, Chef des Wort&Bild-Verlages, hatte im PZ-Interview schon darauf hingewiesen, dass Spahn das Portal mit Hilfe einer Berliner PR-Agentur betreibt, die natürlich Geld kostet. Kuck kommt daher zu dem Schluss: »Man fragt sich, warum Gesundheitsminister Spahn kein Gespür besitzt für die Brisanz, ja, für die Unmöglichkeit einer Zusammenarbeit mit Google.« Schließlich bescheinigt die Noweda dem Minister im »MyLife«-Beitrag auch in Sachen Coronavirus-Tests ein »Chaos«, weil es keine klare Strategie gebe. Und auch bei der Verteilung der Masken an Risikopatienten gebe es keine »stringente« Strategie.

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