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Kombipräparate bei Bluthochdruck

Noch nicht in der Praxis angekommen

Zwei Jahre nach der Aktualisierung der europäischen Bluthochdruck-Leitlinie machen Kombinationspräparate entgegen der Empfehlung nur etwa 10 Prozent der verordneten Antihypertonika aus.
Carolin Lang
09.03.2022  10:30 Uhr

Für die Anwendung fixer Kombinationspräparate bei Bluthochdruck spricht unter anderem, dass sie die Adhärenz und folglich die Blutdruckkontrolle verbessern sollen. Die im Jahr 2018 aktualisierte Hypertonie-Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) und der European Society of Hypertension (ESH) empfiehlt sie daher ausdrücklich zur Therapie der arteriellen Hypertonie. Die Leitlinie gilt als wichtigste in Deutschland, wenn es um das Management von Bluthochdruck geht. Doch wird der Empfehlung zu Kombinationspräparaten bislang nur wenig Folge geleistet, wie eine Studie der Arbeitsgruppe um Professor Dr. Martin Schulz von der Freien Universität Berlin darlegt. Diese erschien kürzlich im Fachjournal »Clinical Research in Cardiology«.

Die Arbeitsgruppe wertete Daten des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) aus, die die Abgabe von Antihypertonika in öffentlichen Apotheken zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zwischen Januar 2016 und Dezember 2020 betrafen. Diese Daten extrapolierten sie auf alle GKV-Versicherten in Deutschland, was etwa 88 Prozent der Bevölkerung entspricht. Es wurden alle auf dem deutschen Markt erhältlichen blutdrucksenkenden Kombinationsprärate in die Analyse einbezogen.

Während die Abgabe von Antihypertonika insgesamt von 143,8 Millionen Packungen im Jahr 2016 auf 153,2 Millionen Packungen im Jahr 2020 anstieg, sank gleichzeitig der Anteil an Kombinationspräparaten. Belief dieser sich im Jahr 2016 noch auf etwa 15,4 Prozent aller abgegebenen Antihypertonika, lag er im Jahr 2020 – also etwa zwei Jahre nach der aktualisierten Leitlinienempfehlung – bei nur noch 10,9 Prozent. Unter-80-jährige Patienten erhielten im gesamten Studienzeitraum häufiger Verschreibungen über Kombinationspräparate (14,6 Prozent), verglichen mit Über-80-Jährigen (10 Prozent).

Die Ergebnisse dokumentierten die unzureichende Umsetzung der aktuellen Leitlinienempfehlungen zur Pharmakotherapie bei Bluthochdruck, schlussfolgern die Autoren und Autorinnen. Strukturierte Angebote zur evidenzbasierten Entscheidungsunterstützung seien erforderlich, um die Berücksichtigung der Empfehlungen voranzutreiben und so die Outcomes der Patienten zu verbessern.

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